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TOM WAITS: BIG TIME

Wenn ein professioneller Underdog sein Live-Album „Big Time“ nennt, kann das verschiedene Gründe haben: vielleicht ist er größenwahnsinnig geworden, vielleicht ist es ironisch gemeint oder vielleicht ist er gar kein Underdog mehr. Tom Waits, der ja immer mit dem Image, in der Gosse zu leben, kokettiert hat, kann tatsächlich nicht mehr als Underdog bezeichnet werden (falls er es überhaupt jemals war). Er ist angeblich glücklich verheiratet, man munkelt von Kindern, am Ende hat er auch das Trinken gelassen. Aber es soll auch Nicht-Alkoholiker geben, die ganz passable Musik machen. Wie dem auch sei, jedenfalls ist „Big Time“ eine schlechte, höchstens für Sammler und fanatische Fans empfehlenswerte Schallplatte. Die Songs wurden, bis auf eine Ausnahme, während seiner letzten großen Tournee live aufgenommen und sie klingen, als hätte sich ein lustloser Stimmenimitator mit einer mittelmäßigen Band Tom Waits' Oeuvre angenommen.

Aber wir wollen nicht ungerecht sein. Zwei Stücke sind passabel. Das eine ist „Falling Down“, ordentlich im Studio aufgenommen und von der Machart her eine Reminiszenz an die alten „Asylum“-Zeiten. Auf „Strange Weather“, das ebenfalls neu ist, erinnert Waits aufs angenehmste an Paolo Conte. (Vor nicht allzulanger Zeit war das umgekehrt.) Die Konzerte, bei denen die Stücke aufgenommen wurden, sollen fantastisch gewesen sein. Wahrscheinlich wird der Film „Big Time“, der Anfang 1989 in unsere Kinos kommt, ebenfalls großartig. Man kann nicht alles haben. Vielleicht entschließt sich Tom Waits demnächst, auch wieder gute Musik zu machen.

(Oktober 1988)


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