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TIN MACHINE

Spätestens nach „Let's Dance“ hatte man Grund, sich von David Bowie zu verabschieden, der früher, in den Siebzigern, unter anderem mit Brian Eno die avantgardistische Pop-Musik ein tüchtiges Stück weitergebracht hatte. „It's too late“ war nicht nur die Hymne der Christiane F. und „Andy Warhol“ ist immer noch einer der großartigsten Personenkultsongs überhaupt. Gut. Jetzt ist der exzentrische Brite nur noch Sänger in einer Band, selbst auf dem Cover taucht sein Name nur auf einem Sticker auf, den die Company nachträglich angebracht hat, um wenigstens einen Teil des Dumpf-Teenie-Publikums zu ködern. Der wird enttäuscht sein, so wenig hat die Musik auf „Tin Machine“ mit „China Girl“ oder „Absolute Beginners“ zu tun. Jetzt wird hemmungslos Krawall gemacht, nur mit der schönen Viererbesetzung: zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. 5 der 12 Songs hat Bowie allein geschrieben, einer stammt von John Lennon und der Rest sind „Tin Machine“-Coproduktionen, darunter auch das experimentell-lärmende, vollkommen geniale Titelstück. Das Album ist voll von musikalischen und textlichen Anspielungen auf 20 Jahre Pop/Rock-Geschichte, hat aber durch den erlesen-schmuddeligen Marmorgaragen-Sound nichts mit der in unsrer Zeit so häufig bemühten Zitierwut zu tun.

„Tin Machine“ ist eine schlechtgelaunte Platte. Die Stimmung ist unzufrieden bis wütend, bestenfalls sehnt man sich nach dem Himmel, der sich „between the blade and the tongue“ befindet, aber meistens wünscht man sich ganz weit fort: „tin machine, tin machine, make some new computer thing, that puts me on the moon, not this psycho time-bomb planet, poised to meet its maker“ – so soll es sein.

(August 1989)


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