Als vor zehn Jahren das erste Album von Rickie Lee Jones erschienen ist, wurde es als perfekte, nie dagewesene Synthese von Jazz, Pop und Rock gefeiert. Das Album verkaufte sich sehr gut, es fand sich sogar ein Single-Hit darauf – selten waren sich Kritik und Publikum so einig. Seit damals hat die Singer/Songwriterin keine so große Reputation mehr erfahren. Zwar war „Pirates“ ausgefuchster als das Debut, zwar versuchte Rickie Lee Jones auf dem Mini-Album „Girl At Her Volcano“ wirklich Jazz und Pop auf seriöse Weise zu verquicken, zwar gehört „The Magazine“ zu den ambitioniertesten Alben der 80er Jahre (was ihm auch ein bißchen geschadet hat), aber irgendwie war sie weg vom Fenster.
Mit „Flying Cowboys“ ist sie ein bißchen auf Nummer sicher gegangen. Es fehlen die fetzigen Stücke wie „Easy Money“ oder „Woody and Dutch on a slow train to Peking“, es fehlen die sperrig-schrillen Werke wie „Traces of the Western Sloops“ oder „Coolsville“. Dafür gibt es beinahe eine Stunde lang ruhigere Stücke, die alle kleine Irritationen enthalten, zunächst fad wirken und ihren jeweiligen Reiz erst nach näherem Kennenlernen entfalten. Die Mittel, derer sich Rickie Lee Jones bedient, sind sparsamer geworden. Kein Bombast mehr, wie er „The Magazine“ dominierte, dafür eher schlichte Lieder mit Karibik- und Latino-Touch, hie und da eine Miles Davis-Trompete und, als einziges Zugeständnis an das Western-Thema (viele Songs handeln von Rodeos, Pferden und Wüste), eine kleine Mundharmonika, die aber mehr nach Stevie Wonder als nach Lagerfeuer klingt. Man kann nicht sagen, daß Rickie Lee Jones nach der angeblichen Überwindung ihres angeblichen Drogenproblems ihre alte Form wiedergefunden hat, es ist mehr eine RLJ-Sparversion geworden: abgespeckt, aber funktionstüchtig.
(November 1989)
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