Sie sind ein bißchen faul geworden, die Jungs aus dem Kleintiergeschäft. Waren ihre LPs bisher immer mit vielen Songs ausgestattet, die sich dann trefflich Maxi-mäßig verlängern ließen, sind diesmal die Maxi-Versionen gleich auf dem Album. Nur sechs Songs finden sich auf „Introspective“, aber die haben eine durchschnittliche Länge von über acht Minuten. Viel Arbeit für die Produzenten, weil das Potential der Stücke auch für drei Minuten, die normale Pop-Song-Länge, gereicht hätte. Aber die „Pet Shop Boys“ sind eben ein Disco-Duo, und in der Disco können die Stücke gar nicht lang genug sein: man ist froh, wenn sich der Takt bzw. das Tempo nicht allzuoft ändert.
Die „Pet Shop Boys“ haben bei ihren früheren Werken oft mit Größen zusammengearbeitet, die gar nicht aus der Disco-Ecke stammen. Mit Dusty Springfield zum Beispiel, und mit Ennio Morricone, dem Soundtrack-Maestro. Man munkelte sogar von einem Trio mit Liza Minnelli. Jetzt haben sie sich auf ihre Disco-Roots besonnen und Trevor Horn engagiert, den wohl wichtigsten Produzenten der frühen Achtziger. Die beiden Stücke, für die Horn zuständig war, sind dann auch die stärksten auf dem Album; „Left To My Own Devices“ ist sogar ein echter Hammer, ein Ohrwurm mit Tiefgang, schwül-surrealistischen Lyrics und fetten Streichern. Was nicht heißen soll, daß der Rest des Albums schlecht wäre. Maxi-Disco-mäßig eben, im Stil der Zeit, aufwendig produziert, ein bißchen aufgeblasen, aber durch den Verzicht auf einen großen künstlerischen Anspruch unpretentiös und trotzdem 1. Qualität.
(Oktober 1988)
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