StartseiteWerkeMusikPlattenbesprechungen

PAUL McCARTNEY: FLOWERS IN THE DIRT

Daß so einer überhaupt noch Platten macht! Er gilt als einer der reichsten Männer überhaupt, hat mit den „Beatles“ nicht nur Musikgeschichte geschrieben, sondern tatsächlich die Welt so sehr verändert, wie es einem Musiker überhaupt möglich ist, hat nach dem Split jahrelang versucht, an den Erfolg der „Fab Four“ anzuknüpfen, was ihm künstlerisch höchstens mit „Band On The Run“ und kommerziell mit „Mull Of Kyntire“ gelungen ist. Das ist eine recht magere Bilanz, immerhin ist „Flowers In The Dirt“ Paul McCartneys 17. Album seit 1970.

Nachdem er vor sieben Jahren zwei Songs mit Michael Jackson aufgenommen hat, läßt er sich jetzt von Elvis Costello unterstützen, an dessen „Veronica“ er mitgearbeitet hat. Die vier Stücke, an denen Costello mitgeschrieben hat, sind die frischsten auf der LP, auch wenn „You Want Her Too“ sehr an „This Girl Is Mine“ erinnert. Obwohl McCartney Produzenten wie Trevor Horn & Steve Lipson („Frankie Goes To Hollywood“, „Pet Shop Boys“) angeheuert hat, klingt der Rest immer ein bißchen nach der Schottensee-Schnulze. McCartney beschwört die Idylle des heilen Familienlebens („We Got Married“), ist in dem Reggae „How Many People“ ein klitzekleines bißchen kritisch (immerhin hat er das Stück einem Regenwald-Kämpfer gewidmet), greift ganz tief in den Schmalztopf und läßt schreckt auch vor Text-Kitsch allererster Kajüte nicht zurück: „Motor of love, motor of love – Heavently father look down from above“.

Daß ein Popstar im Alter von beinahe 50 Jahren immer noch nette Platten machen kann, sieht man etwa an Keith Richards, dessen „Talk Is Cheap“ zwar nicht gerade innovativ, aber doch sehr fetzig und überzeugend ist. Nun ist „Flowers In The Dirt“ auch keine blamable LP geworden, eher gehobener Durchschnitt für besinnliche Stunden im Kreise seiner Lieben, aber sie wirkt sehr kalkuliert und kalt. Paul McCartney hat die Studiotechnik natürlich voll im Griff, schließlich hat er sie miterfunden, aber es fehlt das Gewisse Etwas, der Funke, der Digitaltechnik mit Leben erfüllt. Vielleicht sollten ältere Herren wirklich nur noch Rock'n Roll machen.

(Juni 1989)


Zurück zu Plattenbesprechungen