Hatte Nick Currie auf „The Poison Boyfriend“ noch einige Musiker zur Seite, die „Momus“ als Bandnamen rechtfertigten, so entwickelte sich das Projekt mit „Tender Pervert“ endgültig zum Ego- Trip. Lediglich das Programmieren der zahlreichen Synthesizer überließ er einem Herren namens Dean Klavatt. Trotz des intensiven Einsatzes von Elektronik ist „Tender Pervert“ dank einiger wohlplazierter konventioneller Klänge von E- und Akustik-Gitarren weit entfernt von sterilem Synthi-Sound. Der entspannte Murmel-Gesang und die lyrisch-resignierte Grundstimmung der Stücke tun ein Übriges, um „Momus“ als sanftesten Vertreter der sonst so extrovertierten Gay-Scene auszuweisen. Leider hat die Plattenfirma diesmal darauf verzichtet, die Texte mitzuliefern, was deshalb bedauerlich ist, weil Momus' Texte auch voller Anspielungen und Wortspiele stecken, die sich dem Hörer sicher leichter erschließen würden, könnte er sie mitlesen. Ursprünglich sollte die Platte „The Homosexual“ heißen, aber das wäre nicht ganz korrekt gewesen, stellt sich Currie doch als sinnenfroher „Bi“ dar, der den Frauen seiner heterosexuellen Geschlechtsgenossen „notes of pleasure“ entlockt, die „their husbands never hear“.
(August 1988)
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