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MANO NEGRA: PUTA'S FEVER

Eigentlich stehen wir der ganzen Ethno-Beat-Masche mit Mißtrauen gegenüber. Holländische Keyboarder entdecken afrikanische Gesänge und schaffen damit endlich den großen Durchbruch, US-amerikanische Superstars holen Homeland-Chöre für die Backgrounds ihrer Platten und lassen sich dafür feiern. Die wahren Wurzeln der populären Musik werden für eine Chart-Plazierung ausgebeutet. Damit sind weder die „Dissidenten“, noch „Carte de Sejour“ gemeint. Und „Mano Negra“ schon gar nicht, die das kulturellen Erbe der Völker der Welt mutwillig und sorglos, unter Zuhilfenahme von moderner Technik zwar plündern, aber den ernsthaften oder kalkulierten Umgang damit durch eine radikale Feierwilligkeit ersetzt haben.

Beim Anhören von „Puta's Fever“ fühlt man sich in ein gefährliches Viertel von Marseille versetzt, wo die Frauen feurig sind und deren Brüder dünne Klingen in den Taschen tragen, die sie respektlosen Eindringlingen in den Körper stecken könnten. Auf den Feiern dort könnte diese multikulturelle Party-Musik zu hören sein, dieser irre Cocktail aus Reggae, Rap, Rai, Rock und Roll. Da klingen elektrische Western-Gitarren, altmodische Hammond-Orgeln, Salsa-Bläser und ein verschämtes Muzette-Akkordeon, da singen gedopte Gospel-Chöre, sentimentale spanische Troubadoure und zweifelhafte Damen mit rauchigen Stimmen – in schwülen Nächten mit bunten Glühbirnen, beim Duft von Knoblauch, Cous-Cous und einfachem Wein, der auf den Hügeln in der Gegend wächst. Man würde gern dazu gehören.

(März 1990)


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