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BLAINE L. REININGER: BOOK OF HOURS

Der ehemalige „Tuxedo Moon“-Violinist und -Mitdenker ist zahm geworden. Seine jüngste Solo-LP hat nix mehr mit Avantgarde-Pop und Aktionsmusik zu tun, sie geht mehr in die Richtung des geschichtenerzählenden Stan Ridgway (auch ein Ex-Avantgardist) und ist gesangsmäßig an Holly Johnson orientiert. Gestimmt wie ein schalkhafter Low-Tempo-Großstadt-Märchenonkel, bemüht Reininger in „Software Pancake House“ den Saisonfisch Sushi, schändet Country & Western-Traditionen („El Paso“) und fordert in „Salad Days“ vegetabel-melancholisch zum nächtlichen Cruising auf. Der Sound wird von Wärmflaschen-Synthezisern, Sangria-Gitarren, domestizierten Regennacht-Trompeten und Wet-T-Shirt-Background-Girls bestimmt, barocken Extrakt-Hammondorgeln und der besoffen-vivaldiesken Reininger-Geige. Außerdem gibt es eine rührend-schlechte Pavane für Piano, gespielt wie mit Fausthandschuhen; Blaine L., das üben wir noch! Trotzdem: eine Platte, so kuschelig wie ein Katzenfell.

(Juli 1989)


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