O.K., die letzten beiden Langspielplatten der Hobokener Gitarrenband hatten nicht mehr ganz das mörderische Tempo und die „crazy rhythms“, die ihr Debut von 1979 auszeichneten. Wir fanden sie trotzdem großartig, weil zur Geschwindigkeit Gefühl hinzukam, und weil wir niemanden kennen, der die Verlorenheit, die einen am Ende eines schönen Tages auf dem Highway treffen kann, ausdrückt.
Nun sind auch westdeutsche Music-Halls, Discotheken und was sich hier noch als Auftrittsmöglichkeiten für internationale Spitzenbands anbietet, nicht gerade dazu geeignet, stillere Stimmungen zu verbreiten. Wenn man also zu den „Feelies“ geht, darf man nicht erwarten, daß sich die show auf dem gleichen gemäßigten Level wie auf den Platten bewegt. Live sind die Feelies laut, schnell und schräg. Sie spielen zwar ihre eigenen Stücke, aber auch Highspeed-Cover von Evergreens wie den Beatles-Stücken „She Said She Said“, „Everybody's Got Something To Hide Exept For Me And My Monkey“, Neil Young, „Rolling Stones“ und, wenn die Jungs gut drauf sind, als Zugabe unter anderem eine fast unkenntliche Fassung des „Monkeys“-Hits „I'm A Believer“. Überhaupt, die Zugaben: Nach der Legende sollen sie gelegentlich nach kaum einer Stunde von der Bühne gehen, um sich dann von den Sprechchören der aufgebrachten Fans zu encores von Konzertlänge anfeuern zu lassen. Wenn sie schlecht drauf sind, passiert es auch schon mal, daß sie ihr Repertoire runterleiern und ohne Extra-Titel in den Bus klettern.
Wie die fünf drauf sind, läßt sich übrigens kaum an Gestik und Mimik erkennen, auch nicht am Outfit. Die Herren kleiden sich wie angejahrte High-School-Studenten, bis auf den Perkussionisten Dave Weckerman, der sieht aus, als hätte er den väterlichen hardware-store kurz verlassen, um sich einen Hamburger zu holen. Aber wenn Glenn Mercer (g) zu einer Feedback-Orgie ausholen will und von Bill Million (g) gebremst wird, wenn Stanley Demeski der dritte Drumstick weggeflogen ist und wenn Brenda Sauter (b) sich angesichts des tobenden Publikums und des unkontrolliert zappelnden Glenn Mercer ein kleines Lächeln doch nicht verkneifen kann, ist dem Publikum die Zugabe sicher.
(Mai 1989)
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