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Rogler und Busse

Ende Januar beginnt die ARD mit der Ausstrahlung einer satirischen Fernsehreihe: „Herr Rogler und Herr Busse“. Jens Steinbrenner konnte sich während der Dreharbeiten etwas umsehen und einige Worte mit Richard Rogler und Jochen Busse wechseln:

„MENSCHEN AUS DER JETZTZEIT“

Im Fernsehstudio A des SFB ist ein Hotelzimmer aufgebaut, mittlerer Komfort, würde der Handlungsreisende sagen: Doppelbett, Farbfernseher, Lukiluft-Raumspray, ein Badezimmer. Es ist Nacht. Zwei Herren, schon etwas zerknittert, spielen Fernsehshow. Sie spielen natürlich nicht, es ist ihnen bitterer Ernst. Sie brauchen dringend eine bahnbrechende Idee für eine Spielshow:

Busse: „Liebe Zuschauerinnen und liebe Zuschauer, wir begrüßen Sie zur Endrunde unserer Sendung ‚Die Deutschen und ihre Dichter’. Heute im Studio: unser Kandidat Richard Rogler. Herr Rogler, bitte nennen Sie mir drei berühmte deutsche Dichter der Nachkriegszeit! Die Uhr ... läuft!“ „Ähh ... Jerry Cotton.” – „Ach Quatsch!” – „Gustav Lübbe!” – „Ist doch Blödsinn!” – „Ja, wer denn dann, Mensch!” – „Haben Sie noch nie ein Buch gekauft?” – „Gekauft schon, aber ...” – „Sagt Ihnen Günter Grass was?” – „Grasswas?” – „Wolfgang Koeppen?” – „Nä!” – „Bertolt Brecht?” – „Nun passen Sie mal auf, Sie kennen Ihre Freunde und ich kenn' meine!“

Rogler und Busse drehen „Herr Rogler und Herr Busse“ (oder umgekehrt; eine einheitliche Reihenfolge scheint noch nicht gefunden). Harte Arbeit: die gleiche, bestimmt vier Minuten lange Szene drei, vier Mal proben und dann zwei, drei Mal drehen. Trotzdem sind die beiden Kabarettisten nicht unmutig, bei der anschließenden Muster-Ansicht amüsieren sie sich königlich. Sie finden sich auch bereit, nach den Aufnahmen während des Abschminkens einige Fragen zu beantworten:

Welche Episode haben Sie eben gedreht?
Richard Rogler:
Die Folge zwo. Da hat der Herr Busse einen Unterhaltungschef einer ARD-Fernsehanstalt gespielt und der Herr Rogler hat einen gespielt von Privatsender „SAN Zwo“. Ist etwas fiktiv. Diese beiden treffen sich während der Internationalen Funkausstellung in Berlin unfreiwillig im selben Hotelzimmer, weil da irgend 'ne Fehlbuchung vorlag und dann beginnt eben diese Nacht – teilweise Konkurrenz, kleiner Krieg, hinterher stellt sich raus: Sie sitzen eigentlich im selben Boot.

Den drei Folgen, die wir zunächstmal produzieren (sechs sind geplant), ist gleich, daß man die beiden Figuren sehr nah aneinander angesiedelt hat. Wir spielen also entweder zwei Vertreter, oder jetzt in dem Fall zwei vom Fernsehen. In der dritten spielen wir zwei Chauffeure. Also: die den gleichen Beruf haben, nur in verschiedenen Positionen sind. Bei den Chauffeuren fährt der eine 'ne sehr hochstehende Politikerin und der andere einen Wirtschaftsboß, das ist dann die einzige Konkurrenz, die sie haben, aber vom Beruf, vom Schicksal, von der Lebenserwartung, von den Problemen usw., die sie haben, sind sie sehr ähnlich.

Sie beide sind ja eher im aktuellen Kabarett zu Hause. Wie ist das, zeitlosere Sachen zu machen?
Jochen Busse:
Also nein, das ist ja nicht richtig. Der Richard war ja eigentlich nie im absolut aktuellen Kabarett zu Hause, sein Zuhause ist ja eigentlich die Form, die wir jetzt machen. Er hat sich nur aufgrund seines großen Erfolges mit „Freiheit aushalten“ ein bißchen da hineinbringen lassen, ins, sagen wir mal, tagespolitische Kabarett. Und mir haftet das tagespolitische Kabarett natürlich auch nur aufgrund meiner Tätigkeit in der „Lach und Schieß“ und im „Scheibenwischer“ an. Aber wenn man bei beidem genau hinguckt, habe ich auch in diesen Ensembles, immer, das ... sagen wir mal, das Zeitlose oder das Allgemeingültige oder wie man will, das Prototyp-Menschliche abgedeckt. Und das wollten wir beide gerne zusammen machen. Es ist ja unsere Idee gewesen, so etwas zu machen. Weil wir einfach mal vom Zeitungskabarett, vom aktuellen Berichtskabarett, vom Enthüllungskabarett wegwollten.

Die Bücher zu den Folgen stammen von Ihnen beiden?
Busse:
Jeder hat ein Buch geschrieben und ein drittes Buch hat die Elke Heidenreich geschrieben, aber jeder von uns hatte das Recht und die Chance, das andere Buch zu überarbeiten.

Herr Rogler, haben Sie vor, mal wieder so etwas wie Mitternachtsspitzen zu machen, wenn Sie die Gelegenheit haben?
Rogler:
Ach, sowas würd' ich immer wieder machen. Im Moment allerdings ist es ganz gut, daß diese Form mal vorbei ist. Weil: Die hat mich auch sehr dazu gezwungen, die Nümmerchen zu spielen und in die Conferencen reinzugehen und dieses ganz aktuelle Kabarett zu machen. Jetzt habe ich das nochmal gemacht, mit dem Nachschlag, was ja wieder nur Fünf-Minuten-Kurz-Nummern sind. Jetzt bin ich eigentlich mal ganz froh, daß wir die Sache mit dem Jochen Busse zusammenmachen. Wir können etwas tiefer gehen, wir können ein bißchen Theater spielen, und sind halt trotzdem aktuell, weil diese Figuren, die wir spielen, ja absolut Figuren der Menschen aus der Jetztzeit sind. Die gibt es ja nur jetzt, in dem Moment, in drei, vier Jahren sieht die Medienlandschaft schon ganz anders aus, daß die eventuell in gewissen Facetten keine Gültigkeit mehr haben. Aber sie werden 'ne Gültigkeit haben, solange es 'ne Unterhaltung im Fernsehen gibt. Im Moment interessiert mich das mehr, oder wieder ein Stück zu machen, so'n Kabarett-Theaterstück. Mit den Nummern hab'ich's im Moment nicht so.

In der „Rogler und Busse“-Reihe bleiben Sie beide ihren bewährten Typen treu?
Busse:
Ist ja gar nicht anders zu machen. Sie können aus mir einfach keinen Penner machen und aus dem Richard können Sie keinen Geck machen. Außerdem muß man ehrlich sein: Nicht, weil die Leute es von einem erwarten, daß man seinem Image gerecht wird, sondern weil einfach in seinem Typ ehrlich und wahrhaftig bleiben muß. Wenn man etwas sagen will und etwas vermitteln will; das geht gar nicht anders. Also bleiben wir uns auch als Typen treu.

Rogler: Ich denke das war's jetzt

Busse: War ja auch sehr schön gesagt, alles.

(Januar 1991)