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Roglers Finish

ROGLERS FINISH

Dieser Beitrag über Richard Roglers zweites Solo-Stück Finish lief im August 1992 im Berliner Privatsender R.S.2. Das ungekürzte Interview mit Rogler steht hier.

Anmoderation: Der Kabarettist Richard Rogler ist längst kein Geheimtip mehr. Er hat im Fernsehen den satirischen Nachschlag gemacht und seit letztem Donnerstag läuft im Ersten die zweite Staffel der Kabarett-Comedie „Herr Rogler und Herr Busse“, die er zusammen mit Jochen Busse spielt und schreibt. Gestern hatte im Berliner Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“ Richard Roglers zweites Solo-Stück Premiere. Es heißt „Finish“. Jens Steinbrenner hat es sich angesehen und mit Richard Rogler gesprochen.

Die Bühne ist fast leer: ein Stuhl, eine Kiste Bier, ein Koffer und ein Telefon. Viel mehr braucht Richard Rogler nicht, um den Zuschauern die Welt seines Helden, Herrn Camphausen, zu zeigen. Am Anfang von „Finish“ kommt Camphausen von einer Beerdigung.

O-Ton „Finish“: Hab' heute einen alten Schulfreund unter die Erde gebracht, den Hans. Hans Ruckdeschel. Den kennen Sie jetzt wahrscheinlich nicht. Obwohl, will ich gar nicht mal behaupten. Den Biertrinkern müßte der Name Ruckdeschel schon mal untergekommen sein. Privatbrauerei Ruckdeschel? Noch nicht gehört? (... ) Nee? Gibt's doch nicht. Aber der Abgeordnete Hans Ruckdeschel, der müßte jetzt zumindest den CSU-Sympathisanten ein Begriff sein. Hans Ruckdeschl? Nicht gehört? Sie müssen doch langsam wissen, wer in Bonn sitzt. Die kommen alle hierher. Hans Ruckdeschel! Der war 17 Jahre für die CSU im westdeutschen Bundestag, wie er sich immer ausgedrückt hat. Kennen Sie nicht? Gibt's doch nicht. Sie interessieren sich gar nicht für Politik? Das wird nicht leicht heute abend.

Dabei geht es eigentlich gar nicht um Politik. Jedenfalls nicht um die Politik, von der in den Nachrichten berichtet wird. Es geht um Menschen.

Richard Rogler: Also, man wird nichts hören über, was weiß ich jetzt, was ich gesagt habe, Jugoslawien oder Steuerreform und so weiter, ist nichts drin, sondern es ist ja eine innere Zustandsbeschreibung von Menschen, von diesen Politikern, vom Camphausen, vom Steuerberater, von zwei Frauen, die da vorkommen, die ich auch alle spiele.

Richard Rogler ist nicht nur ein herrlich gemeiner Kabarettist, er ist auch ein fabelhafter Schauspieler. Knapp 20 Rollen – männliche und weibliche – muß er in Finish spielen. Und er stellt alle gleich überzeugend dar. Nicht nur, indem er seine Stimme verstellt, nein, der CSU-Abgeordnete Ruckdeschel ist wirklich dick, der Steuerberater ist wirklich ein arroganter, ehrloser Typ, der SPDler Hechtfischer ist wirklich sturzbetrunken – und der Held Camphausen ist wirklich völlig verzweifelt.

O-Ton „Finish“: Seit Wochen versuche ich diesen Unterhaltungsredakteur vom Fernsehen, Vorabendserie, zu erreichen. Den hab' ich vor... ach was, was red' ich? länger! ...ein wunderbares Expo‚ für eine 26teilige Fernsehserie geschickt. Immer noch keinen Vertrag, Mensch! Da läuft schon wieder was total an mir vorbei, habe ich das Gefühl.

„Finish“ ist im Grunde todtraurig. Der Held Camphausen ist eine deprimierende Figur in einer deprimierenden Welt, die zweifellos die wirkliche Welt ist. Die Details stimmen, die Zahlen und Fakten aus den Leben der Berufspolitiker, die Umstände, unter denen Medienleute ihr Geld verdienen.

Die Kunst Richard Roglers besteht darin, aus der Weltmisere kein weinerliches Besinnungsstück zu machen, sondern eine große, bitterböse Komödie.

Richard Rogler: Es fällt da nicht dauern eine Pointe, alle fünf Sätze, das wollte ich mir eben auch mal gönnen, weil ich das auch als Zuschauer gar nicht haben kann, daß ich also dauernd brüllen oder lachen mußte. Nur, es ist so, daß längere Passagen, die dauern aber nur ein, zwei, drei Minuten, nicht zum Lachen sind und dann kommt zwar keine Überpointe, aber es findet immer ein komische Auflösung.

Wie die Passage, in der Camphausen von seiner Bundeswehrzeit erzählt, und von deren Ende.

O-Ton „Finish“: Nach 15 Monaten hatten sie mich so entlassen, wie sie mich eingekastelt hatten: als Jäger Arsch. Wegen unterlassener Hilfeleistung. So ein Blödsinn: unterlassene Hilfeleistung!. Da war folgendes passiert: Zwei meiner Stubenkameraden hatten dem UvD, dem Unteroffizier vom Dienst, mit dem Kehrbesen den Scheitel auf die andere Seite rüberverlegt. Das ist mit dem Kehrbesen gar nicht so einfach. Und ich stand also dabei, völlig unbeteiligt, was hätt ich denn machen sollen, wieso hätt' ich denn den beiden helfen sollen? Die waren doch schon zu zweit!

Abmoderation: Richard Rogler spielt „Finish“ noch bis zum 19. September täglich außer montags im Berliner Kabarett-Theater „Die Wühlmäuse“ in der Nürnberger Straße 31.

(August 1992)