Da haben sie es sich einfach gemacht: Statt eines standesgemäßen kalten Buffets konnten die geladenen Gäste ein Vollwert-Selbstbedienungsrestaurant stürmen. Hübsch anzusehen: gestandene Mannsbilder, feingemacht und mit allem angetan, was die hiesige Oberschicht auszeichnet (Krawatte, Hosen), standen brav in der Schlange und ließen sich diszipliniert von den freundlichen Mamsellen Portiönchen auf die Teller laden. Da wird einem schmerzlich bewußt, was man an der guten alten Zeit hatte, als sich an den Anrichten jeder selbst der nächste war. Und überhaupt! Anderwärts werden exclusive Ladenpassagen wenigstens mit einem „La Marché“ ausgestattet, aber für den Salzhof war den Trägern eine bessere Kantine genug.
Da sind die Hortens aus anderem Holz: der Erfolg vom Supermarkt der Karstadts ließ sie nicht ruhen, bis sie in ihrem Keller eine Freßetage eingerichtet hatten, wo beinahe alles aufgebaut und angerichtet ist, was unsereinem das Wasser im Mund zusammenlaufenläßt: Austern, bayerische Weißwürste, Champagner... Da gilt es, die Zähne zusammenzubeißen und bei den nächsten Geldverhandlungen nachdrücklich auf die Expensivität der standesgemäßen Nahrungsbeschaffung hinzuweisen.
Das muß nicht so sein. Wer die Augen offenhält, kann so manches Häppchen von städtischen Buffets vernaschen, so zum Beispiel bei der Eröffnung der Ausstellung „konkret schweiz heute“ vor vier Wochen. Die bezaubernden Damen der Firma Bröker haben da nicht portioniert, sondern heftig nachgeschenkt, den italienischen Sekt nämlich, der aufs Beste mit den Köstlichkeiten der kalten Platten korrespondierte.
Daß keine falschen Hoffnungen aufkommen: Nur wenige kalten Buffets sind gratis. Im „Kreativhaus“ und im „Haus Oskar“ wird ein kleiner Obulus zu entrichten sein, um an die Gaumenschmäuse, die anläßlich des beginnenden Herbstprogramms geboten werden, zu gelangen. Sind letztgenannte Träger schon stark grünkernverdächtig, so wird es bei den „Grünen“, die ihr neues Domizil feiern wollen, sicherlich nur Futter geben, das niemandem schadet, nichtmal dem, der es ißt. Und Genuß ohne Reue, das wissen wir längst, macht keinen Spaß.
Jedenfalls werden wir in Zukunft bemüht sein, der verehrten Leserschaft von den anstehenden Ernährungsereignissen rechtzeitig Kenntnis zu verschaffen. An dieser Stelle und, natürlich, in unserem Tageskalender, dem sie bitte auch die oben angesprochenen Termine entnehmen wollen.
(Quasi das Ur-Hippchen)
(September 1988)
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