Ach, es ist schön! Nur ein Paar Sonnenstrahlen, Bläue am Himmel, die mehr als 15 qm groß ist, und Temperaturen, die es erlauben, die Fenster zu öffnen, ohne daß der Campari einfriert, machen selbst eine Stadt wie Münster zu einem Ort, den man nicht mit Bombenteppichen belegen möchte. Die Menschen sind zwar immer noch nicht freundlich oder gar gutgelaunt, aber irgendwie doch menschlich. Da kann es passieren, daß ein älterer Herr seine Wassermelone auf einer Parkbank mit einem Penner teilt, im Vorübergehen hört man Gesprächsfetzen, die sich nach mehr als smalltalk anhören. Und die Mädchen! Sie geben sich zwar nicht gerade offenherzig, aber in der Hoffnung auf ein bißchen Sonnenbräune haben sie die Pulloverärmel gerafft, manche sogar, um dem Hitzschlag zu entgehen, die leichteren Röcke und Blusen angezogen und das Chefsekretärinnen-Makeup auf ein Mindestmaß reduziert – es würde eh mit dem Schweiß verlaufen – was aber das Erstaunlichste ist: sie lächeln.
Man kann Platz nehmen in den Fußgängerzonen, wo sich die Kneipen und Cafés um mediterrane Atmosphäre bemühen und ihre Freiluftbestuhlung installiert haben, wer aber noch kann, sollte lieber ein paar Schritte gehen, zum Café Kleimann zum Beispiel, das hier vor einigen Wochen noch als der Tantentreff gescholten wurde, der es bestimmt ist, wer aber die vier oder fünf niedlichen Tischchen gesehen hat, die ganz unscheinbar in der Domgasse plaziert sind, wird selbst an Tanten Gefallen finden, wenn sie einem einen Platz überlassen, so duftig und niedlich ist es dort.
Oder der lauschige Weg an der Aa, diesem gequälten Bächlein im Betonkorsett, auf dem man lustwandeln kann: unter blühenden Büschen und leise im Hauch wehenden Ästen sind Studenten auf Bänken zu sehen, die fast ihre Wichtigkeit vergessen haben und einfach in Illustrierten blättern oder gedankenvoll ins blasse Blau starren.
Wer französische Imbißspezialitäten (Crepes und belegte Baguettes) mag, der kann, wenn er Glück hat, an einem der drei Tischchen vor dem Filou (neben dem Cinema) Platz nehmen, einen der passablen Weinchen genießen und das bunte Treiben auf der Warendorfer Straße betrachten, die Golf-, Motorrad-, Fahrrad- und Skateboardfahrer beobachten, sich Unfälle ausmalen und dann doch nur von einer gestreßten Examenskandidatin aus dem Erphoviertel angesprochen werden, die so vergnügt an ihrem Wein nippt, daß man kaum glaubt, in einer Stadt wie Münster zu sein.
(Juni 1989)
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