StartseiteWerkeFilmInterviews, Portraits

Spiner, Stewart - Startrek Treffen d. Generationen

Vor dem Kinostart von „Startrek – Treffen der Generationen“ wurden einige Hauptdarsteller zwecks Interviews durch die Republik gekarrt. Jens Steinbrenner hat mit „Data“ Brent Spiner und „Picard“ Patrick Stewart gesprochen.

BRITISH, SPACY & SHAKESPEARIAN

Es war ein schlechter Termin für die Startrek-Promotion-Tour, denn am nächsten Tag sollten die „45. Internationalen Filmfestspiele Berlin“ beginnen, und die Kollegen waren sichtlich genervt, schließlich ist die Berlinale für Filmjournalisten auch ein Interview-Marathon. Aber die Möglichkeit, mit Patrick Stewart und Brent Spiner reden zu können, war doch verlockend genug, um sich ein paar Stunden im erlesen-geschmacklosen Palace-Hotel in Berlins City (West) um die Ohren zu schlagen. Wir haben uns gefreut, konnten wir uns doch des Neides einiger befreundeter weiblicher Startrek-Fans sicher sein, die „den Boden küssen“ wollten, auf dem Patrick Stewart geht. Und wir durften sogar mit ihm parlieren. Aber erst war Brent Spiner dran, der wie Patrick Stewart seine schauspielerischen Wurzeln im Theater hat und der unglaublich freundlich und geduldig unsere Fragen über sich ergehen ließ. Zum Beispiel die, ob er den Data gerne gespielt habe: „Ich war hocherfreut, weil mich niemand kritisieren konnte. Niemand war in der Lage zu sagen: Ein Android würde sich ganz anders verhalten.“ Es gab allerdings auch Schattenseiten: „Ich haßte das Make-up. Wir haben zehn bis fünfzehn Stunden am Tag gearbeitet, und die Schminke blieb immer drauf. Sie lief in die Augen und verschmierte die farbigen Kontaktlinsen, so daß ich die Hälfte der Zeit nichts sehen konnte. Und ich konnte mich nicht kratzen, wenn es irgendwo juckte. Das hätte Abdrücke gegeben. Ich konnte meine Kleidung nicht zurechtziehen und nirgends anfassen. Das war sehr unangenehm, aber mit der Zeit, so nach drei Jahren, hörte wenigstens das Kratzbedürfnis auf.“ Das erklärt auch, warum Data immer eine so eigenartige Hand- und Armhaltung hat.

Startrek ist Kult, aber Brent Spiner sieht die Sache eher pragmatisch: „Meine Familie war ganz aus dem Häuschen – weil ich endlich einen festen Job hatte. Und natürlich, weil ich ein Teil von Startrek sein würde. Das hat mich aber nicht so interessiert, ich dachte, es wäre Arbeit für eine Saison, ich könnte ein paar Rechnungen bezahlen. Ich war sehr überrascht, daß es ganze sieben Jahre dauerte. Ich meine, ich mag Startrek, aber ich vertrage es nur in kleineren Dosen. Von den 178 Episoden, bei denen ich dabei war, habe ich höchstens 40 gesehen.“ Für Brent Spiner ist Startrek vorbei und abgeschlossen, er fühlte sich schon im Kinofilm etwas zu alt für seine Rolle. Aber: „Man soll nie nie sagen“.

Alter ist für Patrick Stewart kein Problem. Er sieht großartig aus, aber wer ihn reden hört, ist ihm endgültig verfallen. (Naja, fast.) British & shakespearian, und laut einer Leserumfrage einer US-TV-Zeitschrift der erotischste Mann des Jahres: „Das ist wahr und interessant, weil Jean-Luc Picard ja ein ziemlich nachdenklicher und zurückhaltender Typ ist, viel weniger physisch als Kirk. Picard dient sogar als Rollenvorbild für Menschen in leitenden Positionen. Ich habe zum Beispiel erfahren, daß bei Fortbildungslehrgängen für Piloten der zivilen Fluggesellschaften Ausschnitte aus Startrek vorgeführt werden, um zu zeigen, wie man sich den idealen Führungsoffizier vorstellt. Das ist sehr nett, nicht wahr? Das zu den anderen Aspekten des Fan-Themas, und Sie merken, daß ich mein bestes tue, um eine Antwort auf die Frage nach Erotik und Attraktivität zu vermeiden. Oder zumindest herauszuzögern. Aber: Ja, es sieht so aus, daß eine Menge Frauen Jean-Luc Picard sehr attraktiv finden. Das finde ich sehr schön, weil dieser Picard ja nicht gerade a man of action and romance ist. Ich meine, ich bin jetzt 54 Jahre alt und merke, daß viele Frauen auch Patrick Stewart anziehend finden. Sehr nett, aber ich hätte es vorgezogen, wenn das passiert wäre, als ich 19 war.“

Genauso wie Brent Spiner ist auch Patrick Stewart kein erklärterStartrek-Fan. Auch er sagt natürlich, daß er stolz sei, in einer so erfolgreichen und gleichzeitig niveauvollen Serie mitmachen zu können, und auch er sieht die ganze Angelegenheit unter eher professionellen Aspekten: „Das war einfach nur ein weiterer Job, was den Fans, den Trekkies, nur schwer zu erklären ist. Die haben mich gesehen, der vom Status der absoluten Bedeutungslosigkeit in diese gottähnliche Position erhoben wurde: sitzend im Kommandosessel der Enterprise. Aber ich habe nur meinen Job gemacht, von dem ich nicht annahm, daß ich ihn besonders lange behalten würde. Die Produzenten hatten die Option, mich nach dem Pilotfilm zu feuern, und ich war sicher, daß sie das tun würden. Ich dachte, daß sie einen Riesenfehler gemacht hätten, einen glatzköpfigen Briten mittleren Alters für die Rolle einer amerikanischen Ikone zu engagieren.“

Patrick Stewart wirkt auf Menschen, die nicht diese besondere Vorliebe für das spezifisch Britische haben, möglicherweise arrogant. Dabei ist er einfach selbstsicher, und er weiß, was für Anforderungen die Rolle des Patrick Stewart hat. Er genießt es, selbst als wir – üblich, bei Interviews trotzdem nicht gerne gesehen – ihn um zwei Autogramme gebeten haben. „Für wen?“ fragte er ganz professionell, aber als er die Sache mit dem Fußboden hörte, war er doch etwas irritiert.

(Februar 1995)


Zurück zu Interviews, Portraits