Ein Gespräch mit Professor Klaus Keil
Sie sind der Intendant der Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH, und damit liegt die letzte Entscheidung über Wohl und Wehe der Förderungsanträge bei Ihnen. Sogar die meisten der Förderungsrichtlinien beginnen mit „In der Regel“, was bedeutet, daß Sie sich nicht unbedingt daran halten müssen. Wem sind Sie Rechenschaft schuldig? Meinem Aufsichtsrat und den Gesetzen.
Das ist auch eine große Verantwortung. Was passiert, wenn Sie zum Beispiel ein Drehbuch ablehnen, das dann anderswo gefördert wird und ein Riesenhit wird? Das ist unternehmerisches Risiko, das muß man einkalkulieren. Besonders bei unserem Geschäft, das sich ganz schwer berechnen läßt. Man kann das Risiko natürlich ein bißchen minimieren, aber es gibt keine Erfolgsgarantien auf der ganzen Welt. Falsche Entscheidungen und Einschätzungen gibt’s immer. Damit muß man leben.
Die Mitglieder des Aufsichtsrats wissen das auch? Das weiß ich nicht. Da sind Banker drin, da ist ein Wirtschaftsanwalt drin, da ist der Herr Schütz drin, der ehemalige regierende Bürgermeister von Berlin, und die alle wissen, wie risikobehaftet Geschäfte sein können, insbesondere, sagen wir mal, Risikoinvestitionen. Mit diesem Begriff können die Aufsichtsratmitglieder alle umgehen. Und Film ist eine Hochrisiko-Investition.
Die Mitglieder des Aufsichtsrates haben sicherlich den Sachverstand, wenn es um ihr eigenes Geschäft geht. Haben sie denn auch eine Ader oder einen Sinn für Kunst, denn Film ist ja auch manchmal Kunst? Die haben alle einen Sinn dafür, das ist ganz wunderbar, die sind alle sehr neugierig und sehr lernbegierig, und die wollen viel mehr wissen, als man normalerweise von einem Aufsichtsrat erwarten könnte. Der Aufsichtsrat ist sehr lebendig und sehr wach, und das ist sehr angenehm. Sie nehmen das Filmboard sehr ernst, sind sehr verantwortungsvoll, aber sie lassen mir alle die mir verbrieften Freiheiten. Das ist bisher eine sehr schöne Situation und eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit.
Sie haben geplant, bei Ihrer Arbeit auf den Sachverstand, die Erfahrung und das Know-How von Experten zurückzugreifen. Ist das Beraterteam inzwischen gefunden? Können Sie schon Namen nennen? Wir haben ein Beraterteam von 25 bis 30 Personen, die sozusagen rotierend eingesetzt werden, damit sich keine Pfründe entwickeln.
Diese Berater sortieren und begutachten für Sie Drehbücher? Das sind Dramaturgen, Filmtheaterbesitzer, Verleiher, Journalisten, Produktionsleiter. Sie lektorieren auf der einen Seite die Drehbücher, auf der anderen Seite prüfen sie die Kalkulationen. Nicht nur arithmetisch, was uns das Gesetz vorschreibt, sondern auch auf innere Stimmigkeit. Häufig wird ein Buch über- oder unterbewertet, Regieleistungen werden häufig überbewertet. Ein Anfänger kann zum Beispiel keine 150.000 Mark als Regiegage einsetzen. Sowas meine ich.
Es kann also auch sein, daß Sie die Angaben nach oben korrigieren. Ist das schon vorgekommen? Bei einem Projekt, von dem wir glauben, daß es sehr gut, aber das insgesamt unterkalkuliert ist. Das ist ja auch ein altes Defizit bei uns in Deutschland: in der Regel werden Projekte nicht nur unterfinanziert, sondern auch unterkalkuliert. Ich kann ja mit einem Drehbuch drei verschiedene Filme machen. Low Budget, Mittel oder auch ganz groß. Ich muß also zunächst wissen: Was für einen Film mache ich denn? Wir schlagen dann im Einzelnen vor, ob man die Besetzung verbessern kann, hier und dort länger drehen. Das sind Vorschläge, die in Gesprächen entstehen, und darauf gehen die Antragsteller ein oder auch nicht.
Wie haben die Filmschaffenden aus Berlin und Brandenburg das Filmboard und den Intendanten aufgenommen? Die ersten Erfahrungen sind überwiegend positiv. Wir hatten drei kritische Stimmen, die alle in einem Zeitungsartikel standen. Zwei davon hatten sich gar nicht bei uns gemeldet, nichtmal am Telefon ihre Fragen und Mutmaßungen erläutert. Von Einreichen will ich gar nicht reden. Eine dritte Person, die uns da kritisiert hat, war bei uns, hat eingereicht, scheint aber merkwürdig hartleibig und unverständig zu sein: Sie hat gar nicht darauf reagiert, was wir gesagt haben. Es ging da um ein bereits angefangenes Projekt. Wir finanzieren grundsätzlich nicht nach – das ist in der Tat ein eiserner Grundsatz –, das können wir nicht. Aber wir haben dieser Person gesagt, jetzt in der Übergangsphase können wir mal reden, wir schlagen dies und jenes vor und wir wollen was sehen. Es kam nichts bisher, außer dieser massiven Kritik auf das, was wir gesagt haben. Diese drei negativen Stimmen gibt es also, von denen zwei nicht mit uns gesprochen haben, mit der dritten stehen wir inzwischen in gutem Kontakt. Sonst sind die Meinungen ziemlich einhellig positiv.
Was ist dran an den Befürchtungen, daß die Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH die kleinen Filme und insbesondere den Nachwuchs vernachlässigen könnte? Nichts. Den Nachwuchs müssen wir pflegen, der ist doch unsere Zukunft! Das klingt so doof, aber das meine ich genauso wie ich es sage. Wer soll denn nachwachsen? Man sieht’s doch an den sogenannten damaligen Jungfilmern. Deren kreatives künstlerisches Potential scheint ja weitgehend erschöpft zu sein. Wen gibt’s denn noch?
Kaum jemanden. In dem Zusammenhang fällt mir Hans-Christoph Blumenberg ein. Ich habe kürzlich seinen neuen Film gesehen, „Rotwang muß weg“. Hätten Sie das Projekt gefördert? Ich wäre sehr skeptisch gewesen und hätte große Mühe gehabt, denn den fertigen Film finde ich extrem überheblich. Dieses augenzwinkernde nonchalante Sich-selbst-auf-die-Schippe-nehmen, das mag für ein ganz kleines Spezialpublikum sein. Wenn man dafür den Film macht, und wenn sich das rechnet, sage ich jetzt kalt dazu, dann ist das in Ordnung. Oder wenn es als Fernsehfilm gedacht ist, ist es sehr witzig und da paßt es auch. Fürs Kino eine sehr spezielle Geschichte, fast zu speziell.
Er soll 390.000 Mark gekostet haben, war also sehr billig. Wenn das so ist, finde ich es toll. Da hat er aber keine Gagen gezahlt. Das ist allein für das Material und die Geräte. Da haben alle umsonst oder für pauschale 3000 Mark gearbeitet. Mag sein, dann geht es, dann ist es ein kleiner Film unter Freunden für Freunde, für ein Spezialpublikum, das man auch findet. Das hätten wir auch gefördert.
Also haben die Leute, die Angst um die Filmkunst in Berlin und Brandenburg haben, nicht recht? Das sind nur Mutmaßungen, dafür habe ich gar kein Organ. Die sprechen über ein Ding oder über Menschen schlecht und wissen gar nichts darüber. Das verstehe ich nicht. Ich bin ja bei dem Gespräch am 10. August sehr deutlich gewesen, habe meine Richtung und meine Art und das Verfahren sehr klar dargelegt. Und immer wieder kommen die Leute und sagen: Da geht ja die Kultur unter! Das ist ja nur noch Massenpublikum! Und Nachwuchs fällt ja ganz unter den Tisch. Ich habe das nie gesagt, sondern ganz was anderes. Nochmal: Mit Publikum meine ich nicht nur Massenpublikum, mit Markt meine ich nicht die Massenmärkte. Ein Markt kann sein: Nichtkommerzielle Filmauswertung. Landeszentralen für politische Bildung. Goethe-Institute. Und so weiter.
Was bedeutet der Standort Medienstadt Babelsberg für die Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH? Laut Statuten müssen wir in Brandenburg residieren und wir sind natürlich dort, wo die Musik spielt. Wir sind Gäste beziehungsweise Mieter auf dem Gelände in Babelsberg, und das macht sehr viel Sinn, weil man dort Synergieeffekte nutzen kann. Leute, die zum Studio kommen, können gleichzeitig uns besuchen. Es ist sehr praktisch, am Ort zu sein, wo möglicherweise produziert wird, was wir gefördert haben, aber das ist nicht der ausschlaggebende Punkt. Wir haben über Nacht dort ein Büro mit Infrastruktur bekommen, ein ganz entscheidender Vorteil.
Als alleinentscheidender Intendant müßten Sie ja mit allen Anträgen, die bisher von der Filmboard Berlin-Brandenburg GmbH bewilligt worden sind, vertraut sein. Gibt es für Sie Lieblinge dabei, Favoriten? Ja. Namen kann ich jetzt natürlich nicht nennen, aber es gibt doch Sachen, die ich toll finde. Eins hat mir besonders gefallen, das war einfach ein innovativer, frischer Vorschlag von einem kleinen Berliner Verleiher. Die haben uns da einen Paketvorschlag gemacht, der einfach spannend war. Nicht die Standards, die sind bekannt, das weiß man alles, aber eben was Neues zu entwickeln, das macht Spaß.
Das ist nicht besonders deutlich. Ja, also, normalerweise: was wird ein Verleih machen? Er wird eine Verleihförderung für ein Projekt beantragen. Diese Leute dagegen haben neuere und ältere Spiel- und Dokumentarfilme zu einem Paket gepackt: was Tolles, Sensationelles und vielleicht ein etwas schwieriges Projekt dabei, und sie sagen: Wir verleihen das so, als Paket, und bringen nicht nur die Renner, sondern auch das Schwierige, das uns aber am Herzen liegt, ins Kino. Das fand ich intelligent, zeitgemäß, hat mir sehr gut gefallen. Und dann kommt langsam etwas, was wir oft beraten haben: Projektentwicklung. Viele konnten damit nicht wirklich etwas anfangen, das kommt jetzt langsam, da setze ich auch drauf. Da gibt’s ein paar ganz interessante Sachen, wo eine Projektentwicklung für 120.000 Mark einfach Sinn macht.
Also, Projektentwicklung ist, wenn jemand ein Treatment schickt und daraus ein Drehbuch machen will? Nein, das ist Stoffentwicklung. Projektentwicklung ist, das Package zu schnüren, bestehend aus der Finanzierung, den kreativen Elementen und aus Marketing, Verleih und Verkauf. Als Produzent muß ich zuerst einen Regisseur finden, wenn ich den noch nicht habe, und mit dem Regisseur zusammen suche ich die Darsteller, mit denen ich vielleicht Probeaufnahmen mache. Genauso muß ich die Schlüsselpositionen im Team besetzen: die Kamera, alles, was mit der Visualisierung zusammenhängt, Ausstatter, Szenenbildner, Kostüm, Maske. Dann natürlich Schnitt, Musik, die Produktion, den Produktionsleiter. Die muß ich suchen, finden, mit den Leuten reden. Dann muß ich mir Gedanken über die Motive machen und überhaupt über den Stil des Filmes. Da vergeht Zeit, da engagiere ich ein paar Leute, es entstehen Kosten und Auslagen, ich muß vielleicht eine dritte oder vierte Fassung vom Drehbuch schreiben, muß reisen, und so weiter. Das ist die Projektentwicklung, das müssten eigentlich alle Produzenten machen. Viele machen das aber hopp, hopp, dann wird’s halt halb, und Halbes ist nicht gut.
Sie haben bestimmt auch etliche Projekte abgelehnt. Gab es Fälle, wo Ihnen diese Entscheidung besonders schwer gefallen ist? Ablehnungen fallen mir bei Leuten schwer, wo ich merke: da ist Herzblut und Liebe dabei, und es ist so hoffnungslos privat. Da muß man dann sagen: Mensch, das ist ja toll, eine schöne Geschichte, aber es ist zu teuer, das nur als Privatfilm zu machen, das Medium ist zu kostbar. Ansonsten, bei Projekten, wo ich merke, das ist eine Einreichung, eines Produzenten, der nur seinen Job macht, und wir glauben, es funktioniert nicht, dann ist es eine sehr klare Sache. Uns aber auch wichtig, niemandem weh zu tun.
Bei Projekten, die abzulehnen Ihnen leid tut, gibt es da eine Zwischenzone, wo Sie Alternativen anbieten, Möglichkeiten, es doch zu fördern? Ja. Das tun wir natürlich immer, das ist Teil unserer Beratungsaufgabe, unserer Beratungsarbeit. Häufig sind es ja Standardfragen. Aus welcher Perspektive wird eine Geschichte erzählt, für wen? Diese zwei Fragen erhellen sehr viel. Viele Antragsteller können darauf zunächst nicht wirklich antworten.
Können Sie bitte nochmal ganz kurz die Verleihvertragsklausel erläutern? Einer unserer vorläufigen Grundsätze ist, daß wir bei einer Einreichung auf Produktionsförderung in der Regel einen Verleihvertrag sehen wollen. Was wir wollen, ist folgendes: Wir wollen die ernsthafte Bemühung um einen Verleih sehen. Die muß uns glaubhaft dargestellt sein. Absichtserklärungen sind uns zu wenig. Da muß mehr dahinter sein, das ernsthafte Gespräch muß gesucht und geführt worden sein, nicht nur mit einem, sondern mit mehreren Verleihern, falls kein Verleihvertrag vorliegt, muß klargemacht werden, warum. Natürlich wissen wir, daß es kompliziert ist, sowohl für den Verleiher als auch für den Produzenten, sich in einer frühen Phase aneinander zu binden. Beide gehen ein Risiko ein, aber wenn beide daran glauben, ist das eine gute Geschichte, und um das geht es. Wir wollen die starken Marktsignale sehen. Es muß ein Verleiher, ein Weltvertrieb, ein Sender, ein Videovertrieb an das Projekt glauben. Verleih steht ja nur stellvertretend für eine Aufmerksamkeit bei dem Großteil der deutschen Produzenten und vor allen Dingen Autorenproduzenten, Autorenfilmer. Denn die Zeit der Autorenfilmer ist ja vorbei.
Wenn man den Begriff so auffaßt, wie er zum Klischee geworden ist... ...zum sehr negativen Klischee. Daß es immer Autorenfilmer zu allen Zeiten in allen Regionen gibt und geben wird, ist gut so. Denn die sind ja auch ‘ne spezielle befruchtende Art von Gestaltern. Das soll so sein, aber nicht die große Masse, das ist zu kompliziert, die Mittel sind zu gering.
Ist das für die Verleiher nicht auch sehr ungewöhnlich? Ja. Die stöhnen, weil jetzt plötzlich so viele Anfragen kommen. Einer sagte dann, ein bißchen salopp, daß sie eigentlich nicht unsere Arbeit machen wollten. Darauf konnte ich nur fragen, ob es denn nicht interessant wäre, so ganz früh in Projekte eingebunden zu werden. Das hatten die Verleiher doch immer gewollt. Ja, und da war Stille. Es ist halt neu, und es ist überraschend für alle, daß das, was wir uns theoretisch gedacht haben, in der Praxis so greift, das ist sehr schön.
Es funktioniert also schon? Ja. Bei ungefähr hundert Einreichungen, von denen wir 70 oder 75 bearbeitet haben, bei der Praxiserfahrung nach drei Monaten, kann man sagen: es funktioniert.
Um das nochmal ganz klar zu machen: Die Verleihvertragsklausel gilt nur für die Produktionsförderung, wenn also jemand eine Stoffentwicklungsförderung beantragt... ...dann braucht er keinen Verleih, aber dann wollen wir natürlich ein Konzept sehen: Mit welcher Absicht entwickelt er sein Drehbuch? Und es muß ein Produzent dabei sein. Wir wollen keine Literaturförderung für Autoren machen, das können wir nicht. Üben können sie woanders, aber nicht mit öffentlichem Geld. Das heißt, ein Produzent muß dabei sein, der mit 30% der Kosten einsteigt. Wir sagen nicht: ein Buch kostet zwanzig oder dreißigtausend Mark, und wir fördern das. Wir wollen eine Kalkulation sehen, sagen wir über 30.000 Mark, und der Produzent ist mit 30%, mit 9.000 Mark dabei, und das wollen wir belegt wissen. Der Autor ist nicht alleingelassen, und in dieser frühen Phase wird sich der Produzent dann schon um die Vermarktung Gedanken machen.
Aber auch hier gilt: Ausnahmen sind möglich? Aber klar! Erfahrenen, ausgebufften Produzenten wie zum Beispiel Eberhard Junkersdorff von Bioskop oder wie Geissler werden wir nicht sagen, wir können nicht fördern, weil sie keinen Verleihvertrag haben. Der kommt sowieso, sonst würden die doch gar nicht produzieren. Nein, es geht um eine ganz andere Schicht, die bisher ein bißchen in den Tag hinein produziert und geträumt hat. Erstmal machen, und dann sehen wir schon – die 68er Devise – gilt halt heute nicht mehr.
Was war das beste Drehbuch, das Sie als Filmboard-Intendant bisher gelesen haben? Ein Nachwuchsprojekt. Von einem jüngeren deutschen Autorenteam, was wunderbar war, und was interessanterweise ein oder zwei Verleiher als zu radikal abgelehnt haben. Und ein amerikanisches Buch von Jim Jarmusch.
Wenn Sie ab dem 1. Januar 1995 von Ihrer Professur an der Münchner Filmhochschule beurlaubt sind und endgültig voll beim Filmboard einsteigen können, müssen Sie ja aus München wegziehen. Was werden Sie besonders vermissen? Den Föhn. (Klaus Keil lacht) Der Föhn ist was Besonderes. Der macht’s warm und meist schönes Wetter, man kann die Berge sehen und er macht einen schweren Kopf. Nein, das war ein Scherz. Aber meine Studenten werde ich sicher vermissen. Da gibt’s Überlegungen, ob ich neue Studenten haben soll oder nicht. Das ist mir sehr wichtig.
Wollen Sie dann an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin lehren, oder an der Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam? Konrad Wolf, klar. Kurze Wege. Ich bin ja ein Produktionsfachman, und es gibt keine Professuren oder ausgesprochen enge Bindungen bei der dffb, die ist ein bißchen anders strukturiert. Aber da mache ich jetzt eine kleine Lehrveranstaltung im Dezember, für Produktion.
Haben Sie schon eine Wohnung in Berlin oder Brandenburg? Nee, noch nichts. Ich komm ja gar nicht dazu. Wenn ich mir morgens um acht mal schnell etwas ansehe, schneide ich das von einem Termin weg, das ist schwierig. Insgeheim hoffe ich: es wird sich schon ergeben.
Gibt es denn Gegenden, wo Sie am liebsten wohnen würden? Ja, im Südwesten Berlins, nahe an Babelsberg, oder Zehlendorf, Dahlem. Sehr gut gefällt mir der Mexikoplatz und die Umgebung dort. Das finde ich da sehr schön.
Gegenden, in denen richtig viel los ist, interessieren sie nicht? Das habe ich alles gehabt, und die Arbeit, so wie wir sie machen wollen, wird ziemlich aufreibend und anstrengend sein, da kommen ‘ne Menge Reisen dazu, wir müssen eine Außenwirkung erzeugen, ich will unbedingt ‘ne Sogwirkung für die Region erzeugen, zunächst in Deutschland, dann im Ausland. Da muß die Post abgehen, das ist ja die Hauptstadt! Ein traditionelles Zentrum, das muß man aktivieren.
Haben Sie nicht das Gefühl, daß die Region Berlin-Brandenburg als traditionelles Filmzentrum von einem etwas verblaßten Ruhm zehrt? Das ist die eine Sache. Der verblaßte Ruhm und das Irrationale. Das ist eine Sache, aber die beflügelt die Leute, die dort lange und kontinuierlich gearbeitet haben. Wohl in einem anderen System, also jetzt spreche ich mal von Brandenburg, vom früheren DEFA-Studio, aber das Filmemachen ist zum Schluß gleich, überall auf der ganzen Welt. Entweder man hat Zeit und wenig Geld, oder man hat Geld und wenig Zeit, aber diese beiden Rohstoffe machen die Grundstruktur des Produzierens aus. Nee, hier da ist schon was, sozusagen genetisch ein großes Verständnis für die Filmproduktionen, für die Filmherstellung.
Wenn Sie immer so wenig Zeit haben, hatten Sie wahrscheinlich noch keine Gelegenheit, Berlin und Brandenburg kennenzulernen. Trotzdem: Worauf freuen Sie sich besonders in Berlin und Brandenburg? Endlich ganz dort zu sein, und ‘ne Bude gefunden zu haben, in der ich mich wohlfühle, damit dieser Kram erledigt ist. Eine richtige Basis zu kriegen. Ich kenne Brandenburg nicht, aber ich wohne zur Zeit immer da draußen, und es gefällt mir gut. Und Berlin kenne ich ganz gut, von früher, als ich dort eine ganze Reihe von Filmen gemacht habe.
(November 1994) |