Am 23. September startet in Deutschland „Hot Shots Part Deux“. Jens Steinbrenner hat Jim Abrahams getroffen. Der ist nicht nur der Regisseur der „Hot-Shots“-Filme, sondern auch der Miterfinder einiger der gnadenlosesten und erfolgreichsten Kino-Parodien der letzten 26 Jahre.
„WÄRE ES NICHT LUSTIG, WENN...“
Allein, wenn man ein paar Titel rekapituliert und sich die Filme in Erinnerung ruft, wird einem klar, für welche Art von Humor Jim Abrahams steht: Kentucky Fried Movie, Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug, die Fernsehserie Police Squad und die daraus enstandenen Kinofilme Die nackte Kanone, Teil eins und zwei. Jim Abrahams und seine zeitweiligen Mitstreiter, die Zucker-Brüder und Pat Proft, haben die Parodie abendfüllend gemacht. Die Filme wimmeln von Hin- und Verweisen auf andere Filme, sind mit Zitaten gespickt, leben von Übertreibungen und verschmähen keinen noch so abwegigen Witz. Trotzdem funktionieren diese Filme auch für sich. Sie sind auch lustig, wenn man keines der „Vorbilder“ kennt. Wie groß diese Leistung ist, kann man an weniger ambitionierten Parodien sehen, wie zum Beispiel Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff, der immerhin seinen Reiz als Parodienparodie hatte, oder kürzlich Loaded Weapon, der ganz offensichtlich den Abrahams-Touch zu imitieren versuchte.
Hot Shots Part Deux (deutsch: Hot Shots – Der zweite Versuch) hat zwar das gleiche Personal wie der erste Hot Shots, ist aber keine Fortsetzung in dem Sinne, daß die Geschichte weitererzählt wird. Topper Harley, der glücklose Jet-Pilot aus dem ersten teil, hat sich in die Berge zurückgezogen und erhält eines Tages einen Regierungsauftrag: Er soll die Leute retten, die versucht haben, die Leute zu retten, die versucht haben, die Leute zu retten ... nunja, eine Kriegsgefangenen-Rückholaktion in der Manier von Rambo 2 oder Missing in Action. Die Hauptschauplätze sind Saddams Palast und der Garten, in dem sich ein Gefangenencamp befindet. In Hot Shots Part Deux geht’s nun nicht nur um Ramboeskes, im Grunde ist der Film ein Remake von Casablanca.
Große Filmemacher machen nicht einfach nur Filme, sie haben meistens eine Philosophie. Wie lautet Ihre? Filme sind nett, aber es sind nur Filme. Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich klarzumachen, daß es eben nur Filme sind. Und daß sie nicht so toternst genommen werden müssen, wie es manchmal geschieht. Und darum geht es vielleicht in diesen Parodien. Sie sagen nicht, daß Filme schlecht sind, sie sagen, daß Filme manchmal nicht so ernst genommen werden müssen.
Wie reagieren die Objekte Ihres Spottes, die Katastrophenfilmer, die Rambos und Top-Gun Helden? Nach Airplane hörten wir, daß John Travolta die Szene, in der wir Saturday Night Fever parodiert haben, gesehen hätte und daß es ihm gefallen habe. Ich weiß, daß Tom Cruise den ersten Hot Shots gesehen hat und ihn sehr mochte. Und Charly Sheen erzählte, daß er neulich Sylvester Stallone getroffen habe, und daß dem Hot Shots 2 gefallen habe. Falls Imitation eine Form der Schmeichelei ist, dann muß Parodie eine Art Schulterklopfen sein, eine positive Äußerung also.
Was ist es, das Sie vor allem an Ihren Komödien reizt? Das Größte für mich ist es, im Publikum zu sitzen und mir die Lacher anzuhören. Ich kann mir keine größere Belohnung für meine Arbeit vorstellen, als einfach dazusitzen und die Leute über die Witze lachen zu hören, über die ich in den letzten paar Jahren nachgedacht habe. Deshalb mache ich das alles schließlich. Nein, es gibt noch einen Grund: Ich wüßte nicht, was ich sonst tun sollte.
Nun besteht Ihr Oeuvre ja nicht nur aus Parodien. Sie haben zum Beispiel einen sehr zarten Film über ein junges Mädchen gedreht, Welcome Home Roxy Carmichael (deutsch: Ein Mädchen namens Dinky). Was ist für Ihre Ego besser: Zu wissen, etwas Seriöses auf die Beine gestellt zu haben, oder einen weiteren krachenden Kasssenknaller abzuliefern? Für mein Ego sind erfolgreiche Filme das Beste. Filme, die gut gehen. Aber was das Machen betrifft, habe ich Welcome Home Roxy Carmichael genauso genossen wie jeden anderen Film, an dem ich gearbeitet habe. Und in mancher Beziehung sogar noch mehr. Weil das wirkliche Menschen waren, die in einer wirklichen Welt lebten, mit richtigen menschlichen Gefühlen. Bei Parodien kommt es auf den nächsten Witz an, und nicht auf die wirkliche Welt. Parodien machen sich über Hollywood-Filme lustig und Roxy Carmichael handelte vom Leben. Aber für mein Ego ist es viel besser, einen Hit zu haben.
Warum haben Sie ein Sequel von Hot Shots gemacht? Vor allem wegen des Erfolgs von Hot Shots. Die Leute von der 20th Century Fox haben Pat Proft (Produzent und Co-Autor seit Police Squad) und mich angerufen und gefragt, ob wir nicht eine Fortsetzund machen könnten. Und wir sagten ok. Wie gesagt, es macht Spaß, dem Gelächter zuzuhören und Parodien zu machen, also hätten wir es gerne getan, aber wir mußten ein anderes Thema finden. Ein Problem bei Fortsetzungen ist, daß sie so oft den ersten Film nur nochmal machen. In diese Falle wollten wir nicht gehen.
Und wie sind Sie das Problem angegangen? Pat Proft und ich haben einen Haufen Filme gesehen, um das richtige Genre zu finden. Es hat ziemlich lange gedauert. Zuerst hatten wir etwas anderes. Vor einigen Jahren gab es ein paar Filme mit der gleichen Geschichte: Einem Yuppie mit einer schlechten Einstellung passiert etwas Schreckliches, und dann erholt er sich davon, was immer es ist, und seine Einstellung wird gut. Fisher King (deutsch: König der Fischer) hat diese Geschichte gut erzählt, da war Curly Sue und Doc Hollywood und dann gab es einen Film, der hieß Regarding Henry (deutsch: In Sachen Henry). Es war praktisch alles der gleiche Film. Und wir haben uns durch alle durchgearbeitet. Regarding Henry war der gequälteste von allen. Da spielt Harrison Ford einen miesen Yuppie-Rechtsanwalt, dem in den Kopf geschossen wird. Bei seiner Genesung wird er ein guter Mensch. Aber er genest auf Hollywood-Art. Er wird von einem sabbernden, lallenden Idioten zu einem Weltklasse-Anwalt. Sie haben kein Klischee ausgelassen. Wie er wieder gehen lernt, erst nur ein paar Schritte, dann joggt er schon und dann geht er zurück in seine Kanzlei. Wir wollten etwas über dieses Genre machen, aber es funktionierte nicht, wir konnten keine Geschichte drumherum bauen. Ich meine, es hat lange gedauert, um diese Rettungsauftrags-Filme zu finden, Rambo, so offensichtlich, wie es jetzt auch scheinen mag.
Mußten Sie für Hot Shots Part Deux viele Filme sehen? Sehr viele. Die meisten in der Story-Phase beim Schreiben. Es gibt ja ein richtiges Rettungsfilm-Genre. Ich habe davon jede Menge gesehen. Rambo ist nicht der einzige, Chuck Norris hat solche Filme gemacht, Jean-Claude van Damme und es gibt haufenweise B- und C-Versionen der gleichen Filme bis zurück zum 2. Weltkrieg. Und wir haben fast alle gesehen, und damit die meiste Zeit verbracht. The Lady And The Tramp (deutsch: Susi und Strolch), No Way Out und Platoon waren Filme, die wir gesehen haben, als sie in den Kinos gelaufen sind.
Wie geht das Schreiben vor sich? Wir sehen uns eine Szene an und sagen, wäre es nicht lustig, wenn jetzt ... zum Beispiel: Charlie Sheen fährt auf einem Boot den Fluß herunter. Und wir sagten, wäre es nicht lustig, wenn er wie in Platoon einen Text aus dem Off spräche. Und jemand anders sagte, daß es gut wäre, wenn Martin Sheen vorbeikäme, auch mit einem Boot. Es ist wie ein Spiel: Wäre es nicht lustig, wenn dies und das passierte. Was wir tun, ist folgendes: Während wir schreiben, sehen wir uns die Filme an, die wir parodieren. Wir sehen uns deren Szenen an und fragen uns, ob es nicht lustig wäre, wenn dies und das passierte.
Können Sie überhaupt noch normal ins Kino gehen? Klopfen Sie nicht jeden Film, den Sie sehen, auf seine parodistischen Möglichkeiten ab? Nein, nicht wirklich. Ich gehe ins Kino, um mich zu amüsieren. Deshalb gehen wir alle ins Kino. Um uns woanders hin bringen zu lassen. Aber manchmal, wenn der Film nicht so gut funktioniert, bevor ich anfange, mich zu langweilen, sehe ich mir lieber an, warum er meiner Meinung nach nicht funktioniert. Gelegentlich liegt es daran, daß der Film weder innovativ noch originell ist und vor Klischees wimmelt, die es wert sind, parodiert zu werden.
Charlie Sheen hat in Hot Shots Part Deux eine unglaublich imposante Figur, besser als Stallone. Als er das Drehbuch gelesen hatte, war ihm klar, daß er während des ganzen Films fast unbekleidet durch die Gegend laufen müßte. Also hat er einen Trainer engagiert, ist für drei Monate nach Hawaii gegangen und hat sehr schwer gearbeitet. Ich glaube, der einzige, der bei seinem Anblick, als er zurück war, nicht überrascht war, war ich. Wissen Sie, Testosteron, dieses männliche Hormon, gibt es in Flaschen zu einer Gallone (ca. 3,8 Liter), und ich habe ihm ein paar Flaschen gekauft und nach Hawaii geschickt. In verschiedenen Geschmacksrichtungen. Es gibt Schokolade, Erdbeere und Himbeere. Er hat alle ausgetrunken, also wußte ich, daß er gut aussehen würde, als er zurückkam.
Wird er jetzt immer kräftige Herren spielen müssen? Es gibt eine Szene im Film, wo er dieses Huhn abschießt, mit dem Bogen. Ihm waren die Pfeile ausgegangen, und so nimmt er eben dieses Huhn und erschießt damit einen Kerl. Sie wußten nicht, wie sie das bewerkstelligen sollten, und erst einen Monat, nachdem wir mit dem Film fertig waren, konnten wir diese Szene drehen. Wenn man genau hinsieht, kann man erkennen, daß sein Körper wieder zu schrumpfen begonnen hat. Er hat mit der Arbeit aufgehört, sobald wir abgedreht hatten. Er dreht zur Zeit Three Musketeers, aber jetzt ist er wohl so dünn wie vorher.
Ist das nicht furchtbar ungesund, so viele Muskeln erst zu entwickeln und dann wieder abzubauen? Vielleicht ist es etwas ungesund, aber wenn Ihnen dafür soviel gezahlt worden wäre, wie ihm gezahlt worden ist, hätten Sie es auch getan.
Jetzt, wo Hot Shots Part Deux fertig ist, widmen Sie sich sicher mit aller Kraft dem dritten Teil von Naked Gun? Ich bin eine Art Produzent, wissen Sie, ich habe ein bißchen am Drehbuch geschrieben, ein bißchen an der Besetzung gearbeitet. Pat Proft hat Naked Gun 33,3 geschrieben und jemand anderes inszeniert. Sein Name ist Pete ... irgendwas, ich weiß nicht mehr. Sie fangen im August an zu drehen, aber ich habe nicht viel damit zu tun.
Was haben Sie denn als nächstes vor? Ich könnte Ihnen erzählen, daß ich an einem Film über Dinosaurier arbeite, aber das tue ich nicht. Ich habe tatsächlich nichts, woran ich arbeite. Jedesmal, wenn ich einen Film mache, scheint es, daß er mir all meine Energie nimmt.
(September 1993)
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