The prince is back! Die wohl edelste Gestalt der Pop-Kultur, die vor etwas mehr als sechzig Jahren im „New York Journal“ das Licht der Welt erblickte und sich seitdem beinahe kultischer Verehrung erfreut, leiht zum zweiten Mal seit der Verfilmung von Henry Hathaway einem Kinoabenteuer Namen und Hauptfigur. Und man kann sich fragen, warum nicht öfter? Warum nicht Eisenherz wie Super- und Batman, alle paar Jahre wieder, wenigstens im Fernsehen, und auf diese Frage gibt es eine Antwort: Was in Harold Fosters Comics funktioniert, nämlich mit dem langen Atem des gewissenhaften Erzählers Phantastisches, Historisches und Familiäres über 42 Jahre zu einer wirklich epischen Geschichte zu entwickeln, in der sogar der Held und seine Getreuen altern, diese ganz besondere Qualität läßt sich im Kino nicht herstellen.
Was bleibt, sind also der Name und die Rahmenbedingungen: Eisenherz, Prinz von Thule inkognito, arbeitet als Knappe des Ritters Sir Gawain am Hofe König Arthus’. Bei einem Turnier, Gawain ist von nach einem Kampf kurzfristig außer Gefecht gesetzt, schlüpft Eisenherz in die Rüstung seines Herren und hätte fast den für seine Unbesiegbarkeit bekannten Prinzen Arn geschlagen, als eine Horde wüster Gesellen die Festivitäten sprengt. Sie sehen aus wie Schotten, sind aber Wikinger und klauen im Auftrag der finsteren Morgan Le Fey (Arthus’ unbeliebte Schwester) das Zauberschwert Excalibur. Das braucht Morgan, die schon Merlins Zauberbuch aus dessen Grab geraubt hat, zur Herrschaft über die bekannte Welt. Arthus, der den Schwindel nicht überrissen hat, rechnet mit einem neuen Angriff der Schotten und schickt die Prinzessin Ilene, zukünftige Gemahlin Arns, nach Wales in Sicherheit. Der vermeintliche Gawain, also Eisenherz, soll sie begleiten und beschützen, was nicht ganz einfach ist, weil unterwegs allerlei Gefahren lauern.
Für Morgan war der Raub des Schwertes auch kein voller Erfolg. Excalibur, wir wissen es, bohrt sich gerne mal in Felsen, und dann kann es nur ein wahrer König wieder herausziehen. So konnte sich seinerzeit Arthus legitimieren, und es ist völlig klar, auf wen die Aufgabe jetzt zukommt. Überhaupt wird ziemlich schnell klar, wie die Geschichte ausgehen wird, und daß vorher noch verschiedene Raufereien, blutrünstige Monster und allerlei Finsterlinge dazu bestimmt sind, Eisenherz seinen verdienten Sieg nicht zu leicht zu machen.
Und damit haben wir auch schon die zweite Antwort auf die oben gestellte Frage: warum nicht mehr Moving Valiant? Weil es die Fans womöglich gar nicht wollen. Die mögen nämlich an Eisenherz den Edelmut und die schönen Zeichnungen. Und keinen blutspritzenden, knochenknackenden Krawall. Im Comic gibt es Riesen, Drachen und andere Ungeheuer, Fabelfiguren eben, und derartige Gestalten werden im Film von heute automatisch Monster. Kann man gar nix dran machen. Aber der König von Thule, umgeben von Monstern? Kaum vorstellbar.
Dementsprechend sind die Reaktionen. Eisenherz-Puristen werden auch diesen Film gekränkt ablehnen, und die anderen assoziieren mit dem Namen eher den eigenartigen Haarschnitt als einen der größten Helden dieses Jahrhunderts. Und meckern: über kulissenhafte und in Extremsituationen labile Dekorationen, über holzschnittartige Charaktere, über allzu schlichte Dialoge und allzu simple Konflikte. Über die Action, die – je nachdem – zu brav oder zu heftig ist, über Krokodile in mittelalterlich-englischen Burggräben, die total unauthentisch seien, naja, und so weiter.
Prinz Eisenherz ist europäischer Edel-Trash: produziert von Bernd Eichingers Constantin Film mit ein paar europäischen Partnern, inszeniert vom Briten Anthony Hickox (Hellraiser III, Warlock – The Armageddon), dem Trash und Triviales nicht fremd sind, und besetzt mit u. a. Stephen Moyer, Edward Fox, Thomas Kretschmann und Udo Kier. Allein anhand dieser Informationen dürfte klar sein, daß Prinz Eisenherz nicht als gediegener Ritterfilm konzipiert wurde, sondern als Mediäval-Krawall, als Indiana Jones am Hofe König Arthus’, als Ratzbatz-Krachpeng-Spektakel, hergestellt mit den Mitteln einer europäischen Co-Produktion.
(Juli 1997)
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