EIN BISSCHEN HOFFNUNG
Christoph M. Ohrt ist der unmoralische Mitbesitzer eines Eheanbahnungsinstituts, der, anstatt Ehen anzubahnen, lieber mit den Kundinnen ins Bett geht, einen aufwendigen Lebensstil pflegt und überhaupt eine ziemlich miese Type ist. So mies, daß seine Gattin (Ulrike Folkerts), die in der Firma die ganze Arbeit macht, eines Tages einfach die Nase voll hat und den treulosen Fred von einem Killer (Udo Kier) ins Jenseits befördern lassen will. Das gelingt auch, fast jedenfalls, denn Fred ist auch ein Charmeur, der sogar mit dem Fährmann ins Reich der Toten einen Deal aushandelt: Fred soll drei Frauenen, denen er das Herz gebrochen hat, den Glauben an die Liebe zurückgeben. Dann darf er weiterleben. Problem Nr. 1: Fred weiß nicht, welchen drei Frauen. Problem Nr. 2: Freds Mutter, die ihm in herzlicher Abneigung verbunden ist, weiß. Und soll ihm helfen. Aber Freds Mutter ist schon ein Weilchen verschieden. Kein Problem für den Fährmann.
Fred findet sich nach dem Mordanschlag also nicht in der Hölle wieder, wo er eigentlich hingehört, sondern im Kohlenkeller einer der wenigen Kundinnen, die er nicht aufs Kreuz gelegt hat: Rita (Katja Riemann), ein Mauerblümchen, das laut Fred niemals eine Chance auf eine erfolgreiche Partnervermittlung hat. Fred und Rita mögen sich also nicht besonders, und als sich Freds Mutter, als bereits gerupfter Truthahn reinkarniert, mit drohenden Rufen aus dem Kühlschrank zu erkennen gibt, ist das Team komplett, die Exposition abgeschlossen und der Weg für eine makabre, romantische, gelegentlich gewalttätige und zuweilen reichlich komische Handlung frei.
Nur über meine Leiche ist ein doppelt untypischer deutscher Film. Kein Autorenfilm im negativen Sinne, sowieso, aber er ist auch kein peinlicher Hollywood-Komödien-Abklatsch. Auch kein Versuch, auf der Welle der deutschen Beziehungsfilme mitzuschwimmen. Sondern eine sehr ungewöhnliche Mischung aus allerlei Filmgenres (Horror, Fantasy, Romantic Comedy), sehr bewußt mit Blick auf ein möglichst großes Publikum konzipiert. Mit ganz bezaubernden Special Effects, unter anderem dem Mutter-Truthahn und einer traurigen Fischmonster-Mutation, immer wieder überraschenden Story-Wendungen und einer sehr soliden handwerklichen Ausführung. Sehr nett, und der Beweis, daß der deutsche Film doch entwicklungsfähig ist.
(August 1995)
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