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Männerpension

DEUTSCHLANDS ERSTER...

Deutschlands jüngster Gefängnisdirektor (gespielt von Deutschlands jüngstem Theaterintendanten: Leander Haußmann) will den Strafvollzug revolutionieren. Ausgehend von dem schlichten, aber wahren Gedanken, daß Frauen auf Männer großen Einfluß haben, startet er eine Kampagne: Ausgewählte Einsitzende verbringen bei geeigneten Frauen eine Woche Hafturlaub; die dabei entstehenden emotionalen Bindungen sollen später bei der Resozialisierung helfen. Natürlich stößt dieser Plan nicht nur auf Zustimmung: „Haben die Frauen erstmal einen Fuß in der Tür, ist die Sicherheit weg. Alles am Arsch“, meint etwa Mohrmann (Ignatz Kirchner), ein Gefängnisinspektor der alten Schule.

Aber die Häftlinge sind natürlich Feuer und Flamme, besonders Steinbock (Til Schweiger) und Hammer-Gerd (Detlev Buck), die eigentlich nicht zu den ausgewählten Kandidaten für die Aktion gehören, sich mit einigem Improvisationstalent aber doch qualifizieren können.

Steinbock, nicht gerade ein Mann des geschrieben Wortes, kann seine „Gastgeberin“ Emilia mit einem poetischen Brief bezaubern, den er sich von einem wegen politischer Umtriebe einsitzenden Mit-Häftling (Christof Wackernagel) verfassen läßt, und Hammer-Gerd überzeugt die ihm zugedachte Dame mit etwas Bargeld und dem Versprechen, sich während des Hafturlaubs nicht bei ihr sehen zu lassen.

Emilia (Marie Bäumer) ist Pflegerin in einem Altenheim, in dem Steinbocks Opa (Gideon Singer) lebt, der eine kleine Seniorenkuppelei betreibt und gerne noch mal eine Tresor knacken würde – unter Zuhilfenahme der besonderen Fähigkeiten seines Enkels. Deshalb hat Opa Steinbock die ganze Sache eingefädelt.

Emilia ist von Steinbock erstmal nicht begeistert, er ist doch ein wenig primitiv, andererseits: jemand, der so schöne Briefe schreibt ... Dafür hat Hammer-Gerd Glück. Zufällig lernt er Maren (Deutschlands erster singender und schauspielernder VJ: Heike Makatsch) kennen, ein lispelndes Blondchen mit Erfahrungen an der Börse und dem Traum, als Sängerin groß rauszukommen. Dabei will ihr Hammer-Gerd helfen, er erklärt sich spontan zu ihrem Manager.

Obwohl die Geschichte einigermaßen konfus klingt, gelingt es dem Autorenteam Eckhard Theophil und D. W. Buck (Deutschlands erster schauspielernder Regisseur mit zwei Namen: Detlev vor und D. W. Buck hinter der Kamera), die verschiedenen Handlungsstränge dergestalt zu verknüpfen, das am Ende die angestrebte runde Sache dabei herauskommt.

Und das liegt natürlich erstmal und vor allem an Buck („Ich wirke vielleicht nach außen hin wie so’n Tanzbär, aber eigentlich bin ich auch ein Suchender.“), der seine ausufernde Skurrilität, seine Behäbigkeit und sein ländliches Auftreten sehr uneitel dem Gesamtkonzept des Unterhaltungsfilms unterordnet. Buck ist vielleicht der erste deutsche Autorenfilmer, der die Idee des Autorenfilms professionalisiert hat, nicht mehr alles alleine machen und bestimmen will, und die Arbeitsteilung, die die Kunstform Film verlangt, tatsächlich praktiziert.

Männerpension ist ein drastischer Film, viel vordergründig Frauenverachtendes, einer der Helden erschießt erst ein paar Hühner (Ein Gruß an Peckinpah?) und dann einen Zuhältertypen, der einen Scherz machen wollte, überhaupt ist die Grundstimmung schwarzhumorig bis unmoralisch (Empfindlichere würden es „menschenverachtend“ nennen). Aber all die Derbheit wird relativiert, wenn man hinter die Bilder schaut, und das verlangt Buck auch: „Einen Hauch von Gedanken nehme ich gerne raus aus dem Kino, weil ich damit gerne spazierengehe oder auch irgendwo sitze und mich darüber unterhalte“.

Männerpension ist ein Film, den man gerne sieht. Daß ich nicht so auf den schönen Til Schweiger und die kühle Maria Bäumer stehe, ist sicher ein Privatproblem, aber schon der knuddelige Buck, der alleine durch seine Präsenz komisch ist und auf eine seltsame Weise echt wirkt, würde den ganzen Film tragen, selbst wenn sonst nur wenig wäre, was ja nicht der Fall ist. Und mit der Besetzung von Heike Makatsch ist Buck ein echter Coup gelungen. Nicht nur, weil sie durch ihre frühere Moderatorenarbeit bei VIVA dem Film die jüngere Generation als Zuschauer erschließt, nein, sie ist auch gut. Süß und sympathisch, und, wie Buck, seltsam echt.

Man soll vorsichtig mit Erfolgsprognosen sein, aber hier kann man es vielleicht doch wagen: Männerpension, Deutschlands erster Kinohit 1996.

(Januar 1996)


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