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Japaner sind die besseren Liebhaber

Also gut, man sagt, daß die Deutschen keine Komödien machen könnten. Sie seien zu schwerblütig und zu ernsthaft dazu. Eigenartig, daß die meisten deutschen Filme, die die Deutschen in den Kinos ansehen, Komödien sind. Und das nicht erst seit Abgeschminkt. Heinz Erhardt! Peter Alexander! Otto!

Man sagt auch, daß die Deutschen alles, was sie tun, gründlich tun. Das ist wohl wahr. Wenn Deutsche einen deutschen Film machen, der keine Komödie ist, ist er auch nur selten komisch. Und wenn sie Komödien machen, sollen die nichts sein als komisch. Und da wirklich gute Komödien sehr oft auch sehr traurig sind, kann man vielleicht den Umkehrschluß wagen, daß Komödien, die nichts Trauriges haben, nur selten gute Komödien sind. Aber was sind schon gute Komödien? Leute wollen lachen!

Leute lachen. Über Männer mit kleinen ... Nasen. Japaner haben kleine Nasen, und deshalb, denkt der deutsche Volkskörper, können sie keinesfalls gute Liebhaber sein. Takahashi Senior sagt, daß es in Japan ein Sprichwort gäbe, das sagt, daß kleine Dinge beweglicher seien als große. Und die Nebenfigur Katja, die einem Japaner durchs Schlüsselloch beim Duschen zusieht, ist sehr erstaunt über die Ausstattung dieses jungen Mannes, der übrigens Takahashi Junior ist. Man sieht, alles ist relativ, und solange sich die Männer nicht (etwa beim Kollektivduschen) einem direkten Vergleich unterziehen, können hier keine gültigen Aussagen gemacht werden. Wenn man aber der einschlägigen Literatur glaubt, ist das eh alles Wurst. Und Frauen sollen sowieso eher selten objektiven Maßen als dem subjektiven Gesamteindruck, dem ganzheitlichen, folgen.

Womit wir beim Helden dieser kleinen Geschichte und seinem Problem sind. Er heißt Peter Merz und will für seine Firma ein großes Geschäft mit dem Konzern des Herrn Takahashi auf den Weg bringen. Es geht um eine Fernglas-Fabrik, die in Leipzig gebaut werden soll, wozu man das Kapital der Takahashis braucht. Das Problem heißt Theamarianne Höderbach, eine aufstrebende Unternehmensberaterin, die das Kapital der Japaner für ein anderes Projekt, auch in Deutschlands Osten, akquirieren will.

Der Held ist eigentlich gar kein Held, im Gegenteil: ein geld- und karrieregeiles Arschloch, das seine Ehefrau Anna vernachlässigt, die wiederum eine Freundin namens Katja hat, die Takahashi Junior beim Duschen in Annas Wohnung beobachtet. Wie der da hinkommt, gehört nicht hierher, nur daß er da nicht hingehört und sowohl von Herrn Merz als auch von Frau Höderbach verzweifelt für den Geschäftsabschluß gesucht wird.

Wir mögen Thomas Heinze nicht! Das mußte mal gesagt werden, und gehört insofern hierher, weil er die Rolle des Peter Merz spielt und in fast jeder Szene zu sehen ist. Das war schwer für uns. Ganz sachlich, alle persönlichen Sym- und Antipathien mal beiseite lassend, müssen wir allerdings gestehen, daß er in der Rolle des schleimigen, leicht chauvinistischen und wenig geistreichen Karrieristen gar nicht so schlecht ist. Seine Gegenspielerin, der er nach Möglichkeit übel mitspielt, tut uns auch nicht besonders leid, weil die so eine keramikveredelte Geschäftsfrau ist und von Katharina Müller-Elmau gespielt wird, eine Traumbesetzung für so eine Rolle. Was den Weg für große Freude freimacht, für die liebe, vernachlässigte Anna, die den kleinen und überaus niedlichen Japaner in ihrem Badezimmer hat und nach der gebührenden Ziererei keinen Zweifel aufkommen läßt, daß sie sich mit ihm noch in anderen Lokalitäten vorstellen kann. Womit sich die Frage nach den Größen- und Beweglichkeitsverhältnissen stellt, die uns aber wirklich überhaupt nicht interessieren. Wie uns überhaupt einiges in Japaner sind die besseren Liebhaber nicht besonders interessiert. Oder sogar geärgert hat. Daß Karrierismus und Geschäftsabschluß-Sucht gnadenlos gegeißelt wird, kann nicht als eine Innovation betrachtet werden, daß aber auch in Gefühls- und Liebesdingen das Ergebnis zählt, daß Lust und Leidenschaft gerade so nicht mit einem SEX-Index bewertet werden, empfanden wir (olle Romantiker!) als etwas daneben.

Aber das ist wohl Geschmacksache. Im Gegensatz zur Traurigkeit in Komödien. Wir gehören zu den Wenigen in diesem Lande, die Doris Dörries Keiner liebt mich mochten, was vielleicht auch damit zu tun hat. Nun kann man Japaner sind die besseren Liebhaber nicht mit Keiner liebt mich vergleichen, man muß aber konstatieren, daß wenigstens der Versuch gemacht wurde, der anderen Seite der Heiterkeit ihren Platz einzuräumen. Denn neben der Tatsache, daß der Held nicht besonders sympathisch ist, ist er auch eine tragische Figur, dazu verdammt, Erfolg zu haben. Im Gegensatz zu Anna und Takahashi Junior. Die haben entweder nichts zu verlieren – oder so viel von allem, daß ein bißchen Verlust im Vergleich zum zwischenmenschlichen Gewinn zu verschmerzen wäre.

Genug gedeutelt. Japaner sind die besseren Liebhaber hat eine ganz gut gebaute Geschichte, er sieht gut aus und klingt auch gut. Mit einem Wort: professionell. Unterhaltsam, gut besetzt. Daß er die Filmkunst nicht weiterbringen wird, ist in diesem Zusammenhang nicht relevant, weil das gar nicht sein Anspruch ist. Leute wollen lachen, hier haben sie eine Gelegenheit. Und außerdem kann man nach dem Kinobesuch den ganzen Abend über kleine Unterschiede diskutieren.

(März 1995)


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