StartseiteDie GegenwartDie Vergangenheit: 2007Die Vergangenheit: 05/2007

9. Mai

Im Kino gewesen. Nein, nicht geweint, aber prächtig amüsiert habe ich mich schon. Meine Güte, wie sehr muss Paul Verhoeven die Niederlande, ihre Bewohner und deren Protestantismus hassen. Und wie bezaubernd (ok, vielleicht nicht exakt der richtige Ausdruck) ist „Zwartboek“ mit all seiner entschlossenen Krawalligkeit und mutwilligen Unseriosität. Kolportage, Frechheit, Fleisch. Fein. Und dass Müntze als Nazi-Gutmensch mächtig nervt, wird durch Frau van Houten mehr als wettgemacht.


8. Mai

Kinder, wie die Zeit vergeht! 37 Jahre ist es her, dass Reinhard Mey „Wie vor Jahr und Tag" veröffentlichen ließ, mit „Es gibt keine Maikäfer mehr", seinem Käfer-Requiem: „Vielleicht ängstigt mich ihr Fortgeh‘n, denn vielleicht schließ‘ ich daraus, / Vielleicht geh‘n uns nur die Maikäfer ein kleines Stück voraus." Die Maikäfer haben sich bekanntlich bekrabbelt, und heute streitet man darüber, ob man sie wieder bekämpfen sollte.

Allerdings wurden die Maikäfer damals kaum vermisst, höchstens von schlechten Dichtern und seinerzeit schon ältlichen früher-war-alles-schöner-Typen, die schwärmten, wie viele Eimervoll sie gesammelt hatten, als sie Kinder waren, mit welchen ausgefallenen Methoden sie die Käfer vernichteteten und wie sehr ihnen das gefallen hatte.

Heute hat es die Meldung „Rätselhaftes Bienensterben – In Nordamerika ist die Landwirtschaft bedroht„ sogar auf die Titelseit der Faz geschafft, untere Hälfte, aber immerhin. Ein Viertel aller Bienenvölker in den USA sei „wie vom Erdboden verschluckt". Gehe das Bienensterben so weiter, sei die Versorgung mit Lebensmitteln nicht nur einfach in Gefahr, sondern sogar „ernsthaft".

Sieh an, die Bienen. Hauptsächlich Honigmacher, klar, für die, die Honig mögen. Irgendwie niedlich auch, solange man ihnen nicht zu nahe kommt, aber eigentlich lästig. Natur, empfindlich, Indikatoren für Umweltverschmutzung und Flurbereinigung. Und jetzt, da sie verschwinden statt zu bestäuben: Wirtschaftsfaktor und Bedingung für Nahrungsproduktion. Alarmmeldung auf der Faz-Titelseite. Weit mehr als ein Viertel der Nahrungsmittel, die ein Mensch im Laufe eines Tages zu sich nimmt, hinge laut amerikanischem Landwirtschaftsministerium von der Bestäubung durch Honigbienen ab. Und in der SZ schrieb (vor acht Wochen) Petra Steinberger, in den USA sei sogar „die Mehrzahl aller Bienen„ verschwunden und bezifferte den „durch Bienenpollination erwirtschafteten Wert" allein für die USA auf bis zu 18 Milliarden Dollar. Vielleicht hat Frau Steinberger beim Schreiben ein bisschen ihre ökoromatische Begeisterung übermannt (oder überfraut?), vielleicht hat sie diese angebliche Cree-Weissagung mit dem letzten gerodeten Baum und dem letzten gefangenen Fisch und dem Geld, das man nicht essen kann, assoziiert, sich aber netterweise verkniffen. Stattdessen bringt sie zum Schluss einen Satz, auf den betroffene Bienenzüchter und nüchterne Bienenforscher inzwischen immer wieder verwiesen, „einen Satz, den Albert Einstein einmal gesagt haben soll: ‚Wenn die Biene von der Erde verschwindet, dann hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben; keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr...‘." Man beachte die dramatischen Auslassungspunkte am Schluss.

Trotzdem: Die Lage ist ernst, sehr ernst sogar (um nicht zu sagen ernsthaft ernst). Schon Anfang April raunte mir H. in seiner gewohnt unheilschwangeren Art zu, dass Honig sehr teuer werden würde, weil es da eine neue Bienenkrankheit gebe. Dabei kann mir das eigentlich auch egal sein, weil der Honig, den uns H. von Langhorsts Fritz besorgt, sowieso immer von H. bezahlt wird.

Nicht der Maikäfer also ist jetzt im ersten Rang, uns ein kleines Stück voraus zu gehen (wohin eigentlich? Und wäre Kästners Vorstellung vom Kubikkilometer nicht die ehrenvollere Variante?), sondern die Westliche Honigbiene, die einfach verschwindet (eine faszinierende Vorstellung, eigentlich). Und nicht Mey ist der aktuell führende Prophet, (obwohl der es mit diesen vielen Vielleichts bestimmt auch nicht sehr ernst gemeint hat).

Apropos Gottgläubige: E., sich in Liedern auszumalen, wie es aussähe, wäre der der HErr einer von uns, heißt genauso wenig, dass man religiös ist, wie wenn man Ihn regelmäßig zu Zwiegesprächen im Treppenhaus trifft. Im Gegenteil, eher.


22. Mai

Dass Tintin im Olymp der Hochkultur angekommen (jaja, schon länger) und insgesamt so populär ist, hat den Vorteil, dass man als Erziehungsberechtigter nicht in Erklärungsnot gerät, wenn man seinem minderjährigen Kind diese und manche andere Comics näherbringt. Nett ist auch, dass anlässlich des heute zu begehenden Geburtstags Hergés in vielen Blättern mehr oder weniger erhellende Abhandlungen zu Leben und Werk des depressiven (er auch, wie Franquin und werweißnoch – die professionelle Beschäftigung mit dem Heiteren scheint dem Gemüt nicht zuträglich zu sein. Oder umgekehrt: haben umwölkte Charaktere erst recht eine Begabung dafür?) Belgiers zu lesen sind. Misslich ist hingegen, dass Stephen Spielberg und Peter Jackson gemeinsam drei (!) Tintin-Filme planen, Real action, mit digitaler Computertechnologie, wie ein namenloser DPA-Redakteur (oder Redakteurin?) in schwerer Doppelmoppelung vermeldet. Aber zu Tintin fällt ihm nicht mehr ein, als ihn rasender oder auch mutiger Reporter zu nennen. Wäre er wohl selbst gern!

Was wollte ich sagen? Ach ja, in einem früheren Leben habe ich mich auch beruflich mit den schönen Dingen befasst. Und weil Hergé ja heute hundert würde und die Comic-Abteilung meiner Werke-Sammlung auf dieser Website eigentlich von Anfang an recht unterrepräsentiert ist, habe ich rasch raufgestellt, was ich auf die Schnelle finden konnte: Hier.


23. Mai

Womit man sich so die Zeit vertreibt: Erdmöbel hatten zum Videowettbewerb aufgerufen, einige bestimmte Stücke des neuen Albums „No.1-Hits“ (VÖ: 25.5.) standen zur Illustration. Da trifft es sich gut, dass ich mal eine Digitalkamera mit Bewegtbild-Funktion geschenkt bekommen habe und dass Adobe sein Schnittprogramm „Premiere“ in der Elements-Version für begrenzte Zeit kostenlos testen lässt. Für meinen Wettbewerbsbeitrag „Auf und ab“ habe ich dann aber keine eigenen Bilder benutzt, sondern gefundene. Gesichter von Personen, die ... wie soll ich sagen? ... es sich schön machen. In großer Zahl zu sehen bei beautifulagony.com, einer (übrigens sehr hübschen, aber kostenpflichtigen) australischen Website. Und in meiner Bearbeitung zur Erdmöbel-Musik jetzt auch hier (wegen der Rechtefrage allerdings nicht für alle. Bitte eine Nachricht mit der Bitte um Benutzernamen und Kennwort schicken!)

Und weil es Verschwendung gewesen wäre, die frisch erworbenen Fertigkeiten im Umgang mit Premiere nach dem ersten Filmchen nicht nochmal zu nutzen (zumal der Test-Zeitraum noch nicht beendet war), habe ich mir ein zweites Erdmöbel-Stück vorgeknöpft, das allerdings nicht zur Wettbewerbs-Auswahl gehörte: „Der Weg nach Mandalay“, eine Interpretation des schönen Liedes von Robbie Williams, mein gegenwärtiger Favorit unter den No.1-Hits (neben „Einer wie wir“, auch wunderbar gesungen und genau richtig arrangiert. Abgesehen davon, dass ich jetzt, im Alter, ganz gerne mal über Gott nachdenke. Das kommt natürlich nicht von selbst. Sozusagen parallel [Zufall? Schicksal? Prädestination?] habe ich Ahnes „Zwiegespräche mit Gott“ auch als Buch entdeckt, nachdem ich sie manchmal [und mit viel Genuss] im Radio gehört habe. Mir gefällt der Gedanke, dass Gott, wenn es ihn schon nicht gibt, wenigstens einer von uns ist. Andererseits: Wer ist „wir“?). Diesmal mit selbstgedrehten (falls man die Bewegtbildaufnahme mit einem digitalen Kompaktfotoapperat „drehen“ nennen darf) Bildern: Kinder, Himmel, Verkehrsmittel.

„Auf und ab“ hat im Wettbewerb nicht reüssiert, E. schrieb etwas von Jugendschutzgründen und starker Konkurrenz. Aber „Der Weg nach Mandalay“ hat ihm gut gefallen: „Echt toll“. Und ob ich das mit den Videos schon länger mache. Nein, E., in der Vergangenheit nicht. Aber der Zuspruch in der Familie ist ebenfalls ermutigend, und ich finde die Montage auch ganz gelungen. Mal gucken? Hier (und weil man seine und die Kinder anderer nicht jedem zeigt, bitte Benutzernamen und Kennwort erfragen).