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8. Juni

Musiker sind Musiker, weil sie Musik machen. Soviel ist klar. Es gibt Musiker, die Musik anderer spielen. Das sind Musikanten. Andere Musiker spielen Musik, die sie sich selbst ausgedacht haben. Oft auch die Texte dazu. Die Musik mancher Musiker gefällt vielen Menschen. Diese Musiker bekommen viel Geld dafür. Verdienen es auch. Diese Musiker nennt man „Stars“. Andere allerdings auch.

Öfter geht die Fähigkeit, (sagen wir einmal ganz schlicht:) gute Musik zu schaffen und zu spielen, einher mit dem Wunsch, die Welt zu verbessern. Manche Musiker versuchen, diese Aspekte in Einklang zu bringen und machen beide zum Bestandteil ihrer Musik. Sie schreiben und spielen Lieder über asiatische Friedensnobelpreisträgerinnen oder klagen ganz allgemein über die Ungerechtigkeit in der Welt. Klagen sie gar an (aber bei wem?). Das nennt man Botschaft. Weniger schwärmerisch veranlagte Musikhörer nehmen das oft als peinlich (bestenfalls) wahr.

Andere Musiker empfinden das Elend in der Welt als so unerträglich, dass sie versuchen, es im Rahmen ihren Möglichkeiten und mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, zu lindern. Und ganz wenige von denen sind klug genug, um zu wissen, dass es nicht die Musik selbst ist, mit der das gelingen könnte. So hat Bob Geldof vor vielen Jahren Kollegen zusamemengetrommelt und mit ihnen Geld für Allerärmste in Afrika gesammelt. Das Thema ist in seinem Leben sehr wichtig, und so klang es auch manchmal in seinen Liedern an. Am Rande. Trotzdem handeln seine Lieder normalerweise von etwas anderem.

Bob Geldof war sehr erfolgreich mit seiner Musik. Ob er mit seinen karitativen Bemühungen erfolgreich war, kann bezweifelt werden. Man (zumindest jene, die die Komplexiät des Elends wahrzunehmen bereit sind) weiß, dass es nicht wirklich nützt, nur viel Geld nach Afrika zu schicken. Jedenfalls nicht denen, die verhungern.

Geldof selbst wird das anders sehen, auf Millionen und Millionen verweisen, die auf seine Initiative hin gesammelt wurden. Das war sein Part. Und er hat Aufmerksamkeit generiert. Für das Elend. Dass der von ihm bevorzugte Lösungsweg nur dazu beiträgt, das Elend für manche zu lindern, nicht aber dazu, es abzuschaffen (wohl eher im Gegenteil), kann ihm nicht vorgeworfen werden (schließlich ist nur ein Musiker). Oder doch? Wie dem auch sei, er ist jetzt, wie Lothar Müller in der SZ schreibt, im „inneren Sperrkreis der Macht angekommen“. Trifft sich mit denen, die sich für die Mächtigsten halten. Aber auf den Fotos sieht er mit seinem verkaterten Grinsen in einem verwüsteten Gesicht eigentlich nicht so aus, als würde er deren Gesellschaft besonders schätzen. Im Gegensatz zu anderen.

Geldof sollte aufhören, bei Events, in denen es mehr auf die Botschaft als auf die Musik ankommt, auf der Klampfe Leute zu begleiten, die ihr „Engagement“ selbstverständlich als integrativen Bestandteil ihrer Marketing-Strategie verstehen. Zu denen gehört er gar nicht. Er hat nichts zu verkaufen. Seine letzte Platte ist sechs Jahre alt, sie heißt „Sex, Age & Death“ und war auch so. Wahrscheinlich hat er heute gar keinen Plattenvertrag. Er ist ja auch kein Musiker mehr. Abgesehen davon: Welche Firma wurde auch neue depressive Lieder eines gewesenen Friedensnobelpreisaspiranten herausbringen, wer würde sie kaufen, handelten sie nicht vom Hunger in der Welt? Und allein für mich wird er sich die Arbeit vermutlich nicht machen.