Nein, ich bin kein Schlussverräter. Weil ich den Schluss ja gar nicht kenne. Aber eins ist sicher: Rubeus Hagrid überlebt auch den letzten Harry-Potter-Band, verlässt Hogwarts und arbeitet für die deutsche Regierung. So stand's schon vor einer Woche im Tagesspiegel. Angeblich wird Hagrid „Ermittlungsbeauftragter“, was ich aber nicht glaube. Aber auf jeden Fall in geheimer Mission, was schwierig werden dürfte. Der Kerl ist ja so groß. Vielleicht wird er Islamisten zur Raison bringen, vielleicht fängt er aber auch in der Kommunikationsabteilung des BND an, um junge Menschen mit der ihm eigenen Mischung aus Zartheit und Pragmatismus davon zu überzeugen, dass nicht alles, was der Staat im Geheimen macht, schlecht ist. Ich jedenfalls freue mich auf die Möglichkeit, dem freundlichen Halbriesen bald in der Chausseestraße zu begegnen, wenn er in der Mittagspause mit Fluffy Gassi geht, runter zum Naturkundemuseum, wo es noch mehr Große wie ihn gibt. |
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Nachdem nun auch Frank Schirrmacher sich hat äußern müssen zum Casting von Tom Cruise als Claus Graf Schenk von Stauffenberg, will auch ich meinen immer wieder verschobenen Beitrag leisten zu dieser „Debatte“, die einerseits zu begrüßen ist, weil es schon viel weniger interessante Themen in der Sauregurkenzeit gegeben hat. Dabei hat doch die sitzungsfreie Zeit gerade begonnen. Andererseits ist das Thema kaum weniger irrelevant als die Baggersee-Kaimane, Maschendrahtzäune, Rheinkrokodile, durchgeknallten italienischen Staatssekretäre oder Nationalbeflaggungen bei Fußballturnieren – was einen im Sommer eben so unterhält. Diesmal entstammen die Sichzuwortmelder einem – nennen wir es freundlich: – intellektuellen Milieu; für sie scheint es ums Ganze zu gehen. Der Schauspieler als Lichtgestalt, wie Henckel von Donnersmarck schrieb, der mit seiner Mitwirkung ganz Deutschland erheben würde. Oder der „bekennende“ Scientologe (der in diesem Zusammenhang regelmäßig gebrachte Hinweis, dass Cruise nicht nur bescheuert ist, sondern sich auch dazu bekennt, soll ihn extra unsympathisch machen), der wegen seines Bekenntnisses nicht dazu geeignet sein soll, einen deutschen Helden zu spielen. Wenn man sich in das Wertesystem der Aufgebrachten hineinversetzt, kann man leicht nachvollziehen, warum sie sauer sind. Wenn wir schon für unsere Verbrechen verantwortlich sein sollen, wollen wir wenigstens unsere paar Helden nicht auf dem Weltmarkt der Unterhaltungsindustrie ausgebeutet sehen. Naja: „Helden“. Wo es doch so wenig davon gibt. Und es immer wieder ärgerlich ist, wenn diese Wenigen uns von den Amis weggenommen werden. Liam Neeson als Schindler, Chaplin als Hitler.
Schirrmacher beginnt seinen Artikel über „Cruise als Graf von Stauffenberg“ mit der Beschreibung eines Mannes, der einer irrationalen und undemokratischen Sekte angehört. Das klingt wie Scientology, meint aber den „George-Kreis“, in dem Stauffenberg wohl sehr engagiert mitgemacht hat. Schirrmachers Fazit: „Stauffenberg dürfte Stauffenberg heute nicht spielen“. Aus weltanschaulichen Gründen.
Als hätte die Identität eines Darstellers etwas mit dessen Rolle zu tun. Als dürfe kein Kommunist einen Papst spielen, keine Lesbe eine Hete und kein Pazifist einen Killer. Cruise hat Marktwert, die Menschen mögen sein Gesicht und seine Ausstrahlung. Das Potenzial des Walküre-Stoffs für einen Hollywood-Mainstream-Film ist so groß, dass man sich wundert, dass sich die Studios nicht schon längst darauf gestürzt haben. Die deutsche Filmpolitik will, dass internationale Produktionen hier hergestellt werden. Wenn nicht im Bendler-Block, dann eben im Studio Babelsberg. Und das ist dem DFFF (und vermutlich noch anderen Bewegtbild-Subventionierern) durchaus ein paar Milliönchen wert. Abgesehen davon, dass es bei einer professionellen Filmproduktion (jaja, das kennen wir in Deutschland so gut wie gar nicht) wie dieser nicht darum geht, die Befindlichkeiten irgendwelcher Nachkommen, Gedenkstellenleiter oder Sektenbeauftragten zu bedienen. Sondern darum, aus viel Geld noch mehr Geld zu machen. Wertschöpfung.
Dass Tom Cruise seine Figur, die ja durchaus als opportunister Militarist bezeichnet werden kann und Hitler bekanntlich nicht aus menschenfreundlichen Gründen nach dem Leben trachtete, möglicherweise zu sehr als Komplett-Held anlegt, beschäftigt die aufgeregten Geistesgrößen indessen nicht. Sie sollten froh sein, und da hat Donnersmarck leider recht, dass ausgerechnet Cruise ihnen den Stauffenberg macht. Kino ist keine Wahrheitsverbreitungsanstalt, sondern eine Mythenmaschine. Print the legend. |
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