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20. Dezember

Joseph Barbera ist tot. Schon vorgestern. Nicht, dass mich mit ihm eine besonders innige Freundschaft verbunden hätte. Nicht, dass ich nicht der der Meinung wäre, dass Fünfundneunzigeinhalb eigentlich eine akzeptable Lebensspanne beschreibt. Nein, vor Jahren, als The Jetsons zum Kinofilm verarbeitet worden ist, war einer der beiden Schöpfer auf Promotion-Tour, auch in Berlin, und ich durfte im Kempinski so ungefähr ein halbes Stündlein mit einem Animationstitanen plaudern, der nicht nur ein professioneller Selbstvermarkter war, sondern ein wirklich ganz bezaubernder alter Herr, in dessen Augen ich Tom & Jerry und die Feuersteins und tausende Stunden rasanter, leichtfertiger und immer sehr sorgsam gearbeiteter Animation (incl. der emotionalen Unruhen, die sorgsam gearbeitete Animation auch kennzeichnen) blitzen zu sehen ich geglaubt habe.

Das Problem (falls es überhaupt eins ist) ist nur, dass ich nichtmal mehr weiß, ob ich damals mit Barbera oder mit seinem Partner Bill Hanna gesprochen habe. Auch tot. Und auf der Suche nach dem Interview in der unübersichtlichen Menge größtenteils kaum mehr lesbarer Datenträger bin ich auch nicht fündig geworden. Obwohl: Natürlich bin ich fündig geworden. Ich habe fast vergessene Texte über Leo Perutz gefunden und endlich auch das große Interview mit Urs Widmer (zumindest in der Ultimo-Fassung) und das Gespräch mit Klaus Keil. Der war damals, 1994, mein unsichtbarer und von fern verehrter neuer Chef, die Lichtgestalt der deutschen Filmförderung, der Protagonist eines neuen Modells, das sogar so hieß: „Intendantenmodell“. Damals war er Geschäftsführender Professor und Erfinder (wenn es stimmt, was man sich erzählte) der Produktionsabteilung der Hochschule für Fernsehen und Film in München, und, nachdem er in Regina Zieglers Küche zum Intendanten der neuen Berlin-Brandenburgischen Filmförderung gekürt worden war, in monatelanger Doppelbelastung auch Bestimmer über angekündigte 40 Millionen Mark Berlin-Brandenburgischer Film-Fördergelder. Mit ihm ging meine Filmberichterstatter-Laufbahn zuende, und die Pressearbeiter-Phase (die bis heute anhält) nahm ihren Anfang. Das Interview (in voller Länge) gibt es hier: „HALBES IST NICHT GUT“ – Ein Gespräch mit Professor Klaus Keil