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Startseite Die Gegenwart Die Vergangenheit: 2006 Die Vergangenheit: 11/2006
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16. November |
Uncool, Freunde, sehr uncool! Wir wissen doch, dass myspace.com jetzt von Rupert Murdoch kontrolliert wird (und damit Feindesland ist). Und wir wissen auch, dass die myspace-Freundessimulationen das oberpestige Gegenteil von (wie auch immer gearteten) Begegnungen oder gar -ziehungen sind. Guckt doch nur mal, wer als „Freund“ Kommentare schickt. Wenn man Glück hat, ist es jemand mit einer (mehr oder weniger) privaten Porno-Site, wo was zu sehen ist, und auch sonst sind es Burschen, die einem was verkaufen wollen. Erdmöbel bei Myspace! Hoffentlich rechnet sich das für Euch wenigstens.
Uncool auch, dass Ihr jetzt einen Weihnachtsschlager gemacht habt. Wir hatten heute einen wunderbaren Spätsommertag, goldenes Licht, duftige Luft, einen sanften Hauch und einen Abendhimmel wie computergeneriert, und vor den Kneipen und Cafés saßen die Leute in der Sonne und die Wirte mussten nichtmal später ihre Heizpilze entzünden. Und im Briefkasten finde ich eine Produktinformation von Pizza Max, der mir „Das Beste zum Fest!“ wünscht und mir Pizza Cesario („edle Scampis, milde Cocktailsauce, fruchtige Kirschtomaten“ – da holt man sich schon beim Lesen eine Adjektivvergiftung) verkaufen will. Dominosteine und Lebkuchen seit Wochen in den Supermärkten, und der Playmo’-Adventskalender schon seit Ende Oktober ausverkauft! Und jetzt auch noch „Weihnachten“ von Erdmöbel.
Andererseits ist es schon ziemlich genial, darauf zu kommen, dass „Weih-nach-ten“ versmaßtechnisch über „Last-Christ-mas“ passt, und dass Ihr diesen 80er-Heuler in ein Erdmöbel-Stück transformiert habt, und dass Ihr ihn jetzt zu Gehör bringt (wenn auch auf dieser myspace-Seite) freut mich auch, weil ein neues Erdmöbel-Stück ganz sicher besser ist als kein neues Erdmöbel-Stück. Obwohl es bestimmt bessere Kandidaten gegeben hätte. Vielleicht „Merry X-Mas (War Is Over)“? Oder „Merry Xmas Everybody“? Oder gar „White Christmas“? Aber das haben Trio ja schon mit „Turaluraluralu - Ich mach Bubu was machst du“ erledigt. Apropos: Remmler ist ja auch schon sechzig. Kennt Ihr nicht? Glaub’ ich nicht.
... ach ja: Heute hat meine Lieblings-Exfreundin Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch, B.! |
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13. November |
Verkommenheit: Als vor einem Vierteljahr (Kinder, wie die Zeit vergeht!) eine späte Beichte des alten Grass die Gazetten beherrschte, habe ich mich an einen Ausspruch Richard Roglers erinnert, der mir in einem Interview gesagt hat, er zweifele daran, dass moralisch fragwürdige Menschen einen guten Job machen könnten. Jetzt habe ich das Interview in der beinahe unendlichen Unübersichtlichkeit verschiedener Datenträger gefunden und stelle es in voller Länge und nur sehr behutsam redigiert in den „Interview“-Teil meiner „Werke“-Abteilung: "Die Moral ist längst den Bach runter" |
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3. November |
Harndrang und ein kleines freies Zeitfenster vor dem nächsten Termin ließen mich das Restaurant Dressler aufsuchen, UdL 39. Ok, es war auch das gelegentlich auftretende Bedürfnis, sich in der Weltstadt als Weltstädter aufzuführen, und was ist weltstädtischer, als früh um neun ein gepflegt anmutendes Lokal in bester Lage zu besuchen, um dort einen kleinen Milchkaffe und ein Croissant einzunehmen, dazu ein großes Glas Leitungswasser gegen den morgendlichen Durst? Vielleicht noch ein bisschen Tageszeitung dazu, dann ist das fast so gut wie Paris.
Schon die Irritation der jungen Servicekraft hätte mich stutzig machen müssen, aber als Weltstädter lässt man sich nicht irritieren, und von Bedienungen sowieso nicht. Die kurz darauf gegebene Auskunft, Leitungswasser serviere man grundsätzlich nicht, es gebe aber stilles Wasser auf der Karte, nutzte ich nicht, schon aus Trotz. Außerdem stellte sich der bestellte kleine Milchkaffee keineswegs als kleiner Miclkaffee in einer Tasse heraus, sondern als ein gut doppelter Espresso in einem Kännchen und ziemlich tuffig aufgeschäumte Milch in einem anderen. Derart besänftigt hätte ich der Servierein vielleicht sogar ein kleines Trinkgeld gegeben, sie hatte mich aber inzwischen als unwürdig eingestuft und widmete sich mir erst wieder, als das kleine Zeitfenster längst geschlossen war. Den Zahlungsbeleg immerhin brachte sie, nachdem ich darum gebeten hatte, ohne Extra-Kosten geltend zu machen. Den Anblick erhobener Augenbrauen bekam ich kostenlos dazu. |
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