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Startseite Die Gegenwart Die Vergangenheit: 2006 Die Vergangenheit: 08/2006
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25. August |
In seiner Großbesprechung zu Dylans neuem Album „Modern Times“ konstatiert SZ-Großkritiker Willi Winkler „kühne Bilder: ‚Where clouds are like headlines / On a new frontpage sky.’“ Diese Zeilen kannte ich schon. Tom Waits singt sie in „Shiver Me Timbers“ auf seinem zweiten Album „The Heart Of Saturday Night“. Bei Dylan, 32 Jahre später, sind sie nicht zu entdecken. Rätselhaft. |
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23. August |
Eine aufmerksame Leserin benutzte das Kontaktformular: Pflügers zweites Kind mit seiner ehemaligen Mitarbeiterin sei schon ein paar Wochen auf der Welt. Das stimmt: es kam zwei Wochen zu früh und war zunächst alles andere als wohlauf. Damit macht man keine Scherze, denn: Was kann ein Kind schon für seine Eltern? Spannend wird in den nächsten Wochen, ob und, wenn ja: wie der Kindsvater die Frucht seiner Lenden wahlkampftaktisch einsetzt. Schließlich ist der Herausgeforderte kinderlos. Man muss einsetzen, was man hat, will man gewinnen.
Bei dieser Gelegenheit: nicht ganz an jeder Straßenecke bleckt einem des Herausforderers Gesicht an, nichtmal an jeder zweiten. Subjektive Wahrnehmung. Aber die anderen Kandidaten sind auch keine Bereicherung für das Stadtbild, außer natürlich diese süße WASG-Maus (nochmal sorry, zu viel BZ gelesen). Mit diesem Gesicht kann sie bestimmt, falls es mit der Politik dann doch nicht klappen sollte, Moderatorin bei 9Live werden, oder wenigstens Tagesschausprecherin.
Apropos Eva Hermann, die meisten Leute (und noch mehr Ostdeutsche) finden ihre KKK-Ideologie irgendwie nicht so klasse. Schön, dass einen das eigene Volk auch mal erstaunt. Und nicht nur das, auch die SPD: Die lässt Günter Grass für sich Wahlkampf in Berlin machen. Apropos Grass: Die korrekte Formulierung des Eintrags vom 17. August geht natürlich so: „... ob einer, der erst 60 Jahre später ausplaudert, dass er als Dreiviertelwüchsiger zur falschen Einheit eingezogen wurde, als moralische Instanz taugt.“ |
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18. August |
Na gut, so schlimm ist das alles doch nicht. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung schreibt Christian Gottwald über Hanne Berger, die „bezaubernde erste Geigerin“ in Max Raabes Palastorchester, sie sehe aus „wie Lauren Bacall in Farbe“. Es sind die kleinen Dinge ... |
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17. August |
Nach einer kleinen Reise und einer größeren Computer-Havarie (Ich wusste nicht mal, dass es die Datei „ntoskrnl.exe“ überhaupt gibt. Der Rechner dann auch nicht. Und das war erst der Anfang.) zurück in der Gegenwart. Doch, die Reise war schön. Auch das Nachhausekommen. Aber als mit den Temperaturen auch die Sommer-Euphorie sank und man mal wieder massiv darauf gestoßen wurde, wie schlecht es in der Gegenwart um das Wohlergehen der Meisten bestellt ist, sank auch das Bedürfnis nach schnurrigen Erwägungen zur Lage von allem Möglichen. Immerhin hat sich R.s Schwiegervater in Sicherheit bringen können. Im Taxi von Beirut nach Damaskus, das muss man sich mal vorstellen.
Und als ob es nichts Wichtigeres gäbe, diskutiert die Nation darüber, ob einer, der als Dreiviertelwüchsiger zur falschen Einheit eingezogen wurde und das erst 60 Jahre später ausplaudert, noch als moralisches Gewissen taugt. Wenigstens wird dieses späte Bekenntnis die Kassen aller möglichen Leute tüchtig klingeln lassen, nicht zuletzt die des Bekenners. Abgesehen davon, dass man die Möglichkeit in Betracht ziehen könnte, von Zeit zu Zeit das eigene Gewissen zu konsultieren, statt einem an der eigenen Wichtigkeit fast erstickenden Großschriftsteller eine allgemeine Gewissenskompetenz zuzugestehen, abgesehen davon also findet man bestimmt drängendere Probleme.
Und jetzt ist hier auch noch Wahlkampf, heiße Phase gar. Ein in Scheidung lebender Ehebrecher mit bald zwei unehelichen Kindern, der sich nicht entblödet, seine gehörnte Ehefrau auf Unterhalt zu verklagen (als Staatssekretär – Pardon: Parlamentarischer Staatssekretär – kommt er nur auf 180.000 Euro jährlich), fordert den schwulen Amtsinhaber heraus, der sich seine Beliebtheit beim Wahlvolk nicht durch Programmatik verderben will. OK, das ist ungerecht, ob Wowi schwul ist oder sonstwas, ist wirklich egal, dass aber eine Type wie Pflüger in so krassem Widerspruch zu den moralischen Grundsätzen seiner selbstausgesuchten Weltanschauung lebt, und dass er dreist erwartet, irgendwelche Leute könnten ihn wählen (was sie tun werden) und dass einem dessen Gesicht an jeder Straßenecke entgegenbleckt, ist schon ziemlich schwer auszuhalten. Dann doch lieber der Kandidat für einen anderen Wahlkreis. Der ist vermutlich zwar weder klar noch wahr, aber wenigstens direkt, nämlich wenn es ums Geschäfte machen geht. Und ein Drittel Wahrheit auf einem Wahlplakat ist doch eine prima Quote.
Ich habe vor vielen Jahren mal ein langes Gespräch mit dem damals schon nicht mehr ganz so begnadeten Richard Rogler geführt, der sich da furchtbar über die Verkommenheit von allen möglichen Leuten aufgeregt und gesagt hat, dass die wegen ihrer Verkommenheit auch keine gute Arbeit machen könnten. Ich fand das damals (und eigentlich immer noch) ein bisschen streng, aber über das schöne, ausdrucksvolle Wort „Verkommenheit“ nachzudenken (und darüber, was es bedeutet), scheint mir gerade jetzt passend, wo uns doch das moralische Gewissen abhandengekommen ist. |
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