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Startseite Die Gegenwart Die Vergangenheit: 2006 Die Vergangenheit: 06/2006 (2)
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30. Juni |
Diese Abteilung meiner Website hieß bis eben „Hörensagenschreiben“, weil hier auch Gehörtes und Gelesenes behandelt wird – und nicht nur Erlebtes. Jetzt nenne ich sie „Die Gegenwart“. Dazu wurde ich natürlich durch die Seite der Faz inspiriert, auf der von Zeit zu Zeit wichtige Personen mit großem Ernst ihre meist konservative (und amüsanterweise oft reaktionäre) Weltanschauung darlegen. Diese Pamphlete sind regelmäßig so voller falscher Schlüsse, krummer Bilder und entlarvender Verkürzungen (bei stattlichen Artikellängen von einer Seite minus Werbung), dass ich mich mit großem Vergnügen immer wieder gerne auf sie beziehe.
Gestern zum Beispiel ging es um Naturwissenschaften und Gott: „Wer einen Gegensatz zwischen Religion und Wissenschaft erst konstruiert und dann vertieft, übersieht, daß beide Tätigkeiten des Menschen in unserer historisch gewachsenen Kultur zusammengehören, da wir von Menschen abstammen, die zunächst vor ein paar tausend Jahren Gott entdeckt und dann vor ein paar hundert Jahren die Wissenschaft erfunden haben.“ Das ist doch hübsch. Der Autor Ernst Peter Fischer, Wissenschaftsgeschichtsprofessor an der Universität Konstanz, bemüht als Referenz Max Planck, von dem ein befreundeter und antireligiöser Tendenzen gänzlich unverdächtiger Wissenschaftsjournalist meint, der habe im Laufe seines Schaffens auch einen Haufen Quatsch von sich gegeben. Max Planck also habe gewusst, schreibt Fischer, „daß der religiöse Mensch am Anfang bei Gott ist - und der wissenschaftliche am Ende zu Gott findet“. Gut, dass das jetzt auch geklärt ist.
Heute befasst sich Theo Stemmler, Anglistikprofessor an der Universität Mannheim, vermutlich anlässlich des bevorstehenden Fußballspiels der deutschen gegen die argentinische Mannschaft, mit deutschem „Sang“. „Sechzig Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs und des braunen Spuks zeigen gerade die jungen Deutschen Flagge“, so beginnt Stemmler, und ich finde es schon bemerkenswert, dass ein Professor Dr. die Jahre 1933-45, in denen durch deutsche Aktivitäten so um die 70 Millionen Menschen umgebracht wurden, einen „Spuk“ nennt, laut Dudens Deutschem Universal-Wörterbuch „Erscheinung, die auf die Existenz u. das Treiben von Gespenstern o.Ä. zurückgeführt wird“.
Weiter: „Offensichtlich angeregt durch das Motto der Fußball-Weltmeisterschaft ‚Die Welt zu Gast bei Freunden’ fühlen sie sich verpflichtet, schwarzrotgoldene Farbe zu bekennen“. Also, die Personen, die in Berlin an Autos und Balkonen Fahnen präsentieren, sehen nicht so aus, als fühlten sie sich verpflichtet. Ich glaube, die machen das freiwillig. Aber vielleicht ist das bei Mannheimern anders. Und, letztes Beispiel, nur ein paar Zeilen weiter: „Überdies sind unseren ausländischen Freunden maßvoll patriotische Deutsche sicher lieber als verklemmte Selbstverleugner, deren politische Neurosen allzu leicht vom Selbst- zum Fremdenhaß führen können.“ Abgesehen davon, dass es natürlich eine Ehre ist, von Stemmler in diesem Zusammenhang als verklemmter Selbstverleugner bezeichet zu werden, sind es doch eher die Leute mit einem stark entwickelten Nationalbewusstsein, die als fremd eingeschätzte Personen schlagen und töten.
Auf den verbleibenden knapp knapp sechs Spalten kommentiert Stemmler - übrigens zwischendurch recht schnurrig - National- und sonstige Hymnen aus allerlei Herren Länder, von Costa Rica über (natürlich) Argentinien bis Togo, Bangladesch, Polen, erwähnt, dass die Melodien vieler Hymnen an deutsches „Liedgut“ erinnern, gesteht zu, dass die dritte Strophe der deutschen Hymne „heute zu Recht allein“ gesungen wird und schließt mit der japanischen, die er so „schön, schlicht und friedlich“ nennt, dass man sie den „emsigen Jüngern Hondas und Sonys heute nicht zutraut“. Das kann dann letztlich doch nur einer schreiben, dessen Ressentiments anderen Nationen gegenüber stärker sind als seine Kenntnis ihrer Kultur. |
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28. Juni |
Cocktails trinken im Freien ist genauso ein Stilbuch wie Weizenbier in Bars. In Bars sitzt man an möglichst langen Tresen hinter großen Fenstern, durch die man das vorzugsweise regengetränkte Draußen betrachtet, vielleicht in Gesellschaft einer oder höchstens zweier Personen (und das auch nur, wenn man einen der raren Eckplätze ergattert hat), sinniert in möglichst hochprozentige Drinks mit möglichst wenigen Zutaten (kein Obstsalat für echte Männer!), das alles am früheren Abend. Nachts in Bars an kleinen Tischchen Noggs und Flipps und reichgarnierte Katermacher konsumieren ist was für Schlagertexter mit Liebeskummer und Frauen, die vergessen wollen. Dann höchstens noch in schummrigen Nischen mit tiefen Polstermöbeln Champagner, inkognito. Allein das Bild eines Bar-Getränks auf dem Tablett ist unästhetisch. Bar-Getränke werden von diskretem Bar-Personal über die polierte Tresenoberfläche gereicht.
Gestern Abend war es viel zu schön zum Drinnensein. Berlins alter Westen summte vor Wohlbehagen, und die vollgestellten Gehsteige in der Grolmanstraße stimulierten südliche Empfindungen. Bei einem Arbeitstrinken mit einer Lieblings-Exkollegin enthielten wir uns also des Murrens, als wir sie erblickten wie sie sich bereits gemütlich eingerichtet hatte im Vorgarten (das ist der Garten vorne, im Gegensatz zum Garten, der hinten ist) des vereinbarten Lokals. Im Gainsbourg steht zwar auch eine Theke akzeptabler Länge zur Verfügung, aber dieser Vorgarten ist von einer fast schon ruppigen Anmut, perfekt zum Beispiel für eine provençalische Fischsuppe, aber erstens war das Abendessen schon vorbei und zweitens gibt’s im Le Piaf einen fast noch schöneren Draußensitzplatz.
Und weil es sich ja um eine Bar handelte und wir nicht zum Spaß da waren, entschied ich mich für einen Gimlet, während sich die Damen mit verschiedenen Champagnercocktails vergnügten. Nicht dem Champagnercocktail, den Rick zwar immer bestellte, aber nie trank, sondern anderen Kreationen, deren Namen mir längst entfallen sind.
Mit Gimlets ist das so eine Sache. Einerseits kann er wie ein limettenfruchtiger Martini-Cocktail sein, bei dem man den Noilly Prat durch Rose’s Lime Juice ersetzt hat, aber eben nur so viel Lime Juice wie anderenfalls Vermouth, also wenig, sehr sehr wenig. Andererseits gilt für den klassischen Gimlet („Marlowe’s Gin Gimlet“) das Mischungsverhältnis 1:1. Dass man seinen Gimlet wie einen sehr trockenen Martini-Cocktail haben will, kann man dem Barmann unkompliziert mitteilen, wenn man an der Theke sitzt. Im Vorgarten hingegen, gefiltert durch die Ignoranz in Trinkdingen gewöhnlich vollkommen inkompetenter Bedienungs-Studentinnen, verwirren Sonderwünsche nur. Der Gimlet war also natürlich korrekt und viel zu süß. Selber schuld!
Die Damen waren inzwischen teils bei experimentelleren Kreationen („6 p.m.“, wenn ich mich nicht irre, las sich vielversprechend und roch auch so), teils bei Klassikern (einem enttäuschenden Pineapple Daiquiri) angelangt, und ich war weiter inkonsequent und opportunistisch und bestellte einen Virgin-Cocktail. Und weil ich damit gar keine Erfahrung hatte, beschrieb ich der freundlichen Bedienung nur, was es nicht sein sollte: süß, kein Ei, keine Sahne. Was dann kam, wurde mir als „Sea, Sex and Sun“ auf die Serviette gesetzt, war (im Gegensatz zu dem, was unter diesem Namen in der Karte verzeichnet war) deutlich erbeerig und insgesamt genau das, was ich brauchte. Sowas!
Cocktails trinken im Freien geht nicht. Eigentlich. Aber eine der heute am meisten nachgefragten Soft skills ist bekanntlich Flexibilität. Beim Heimwärtsradeln durch die laue Sommernacht fühlte ich mich jedenfalls so flexibel wie schon länger nicht mehr. |
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21. Juni |
Gestern doch mal „The L Word“ angesehen, vierte Folge. Klar, dass sich der besondere Charme (falls überhaupt vorhanden) dieser Art von Fernsehserie nicht nach nur einer Folge erschließt, klar, dass auch die deutsche Synchronisation den Reiz (falls überhaupt vorhanden) schwer beschädigt. Das soll schon bei „Sex and the City“ so gewesen sein, andererseits hatte Irina von Bentheim ihren temporären Ruhm wohl nur ihrer Synchro-Arbeit dafür zu verdanken, und das heißt ja auch schon was. Bei der Stimme. Sonst hätte ich gedacht, dass „Sex and the City“ nur präpubertären Homosexuellen gefällt.
Apropos Homosexuelle: nachdem Folge vier „Gefühle der Angst“ (eigentlich ein schöner Horrorfilmtitel: „Gefühle der Angst – Episode vier“, vielleicht mit Buttgereit als Regisseur) überstanden war, war ich sicher, dass sich das heterosexuelle Männer ausgedacht haben, die noch nie einer waschechten Lesbierin gegenüber standen. So viele Klischees, Model-Staturen, Werbe-Visagen, Lofts, Traumjobs. Falsch. Es war eine Frau, die (wie bei stern.de zu lesen ist), „selbst Frauen liebend“, wisse, „worauf das neue lesbische Auge wert legt“. Ich muss mal meine ebenfalls Frauen liebende Gewährsfrau fragen, was es mit dem neuen lesbischen Auge auf sich hat und ob das vielleicht behandlungsbedüftig ist.
Sorry für den Kalauer, der mich aber andererseits schnurstracks zu Volker Zastrow bringt, der sich vorgestern in der Faz (ab jetzt die offizielle Schreibweise auf dieser Website) auf einer ganzen großen Zeitungsseite (Überschrift: „Politische Geschlechtsumwandlung“) zum Thema Gender Mainstreaming auslassen durfte. Soweit ich es verstanden habe, mag er es nicht. Er vermutet offenbar eine Verschwörung von Lesben und Feministinnen zur Abschaffung des biologischen Geschlechts (Sex) zugunsten des gefühlten Geschlechts (Gender), nennt die sexuellen Präferenzen der Verschwörerinnen und vergisst auch nicht, zu erwähnen, dass Michel Foucault „an Aids-Folgen“ verstorben ist.
Was mich dabei noch aufregt ist erstens, dass Leute anderen Leuten die Wahlmöglichkeit verweigern wollen bzw. verhindern wollen, dass diese Wahlmöglichkeit geschaffen wird. Ich dachte nicht, dass jemand einem Satz wie zum Beispiel „Alle Leute sollen so viel arbeiten können wie sie wollen“ widersprechen würde. Zastrow schreibt aber, dass „die überwältigende Mehrheit der Mütter in Deutschland gern halbtags, aber nur ungern ganztags arbeiten würde“ und geißelt, dass die Bundesregierung derzeit mehrere Projekte von Gleichstellung und Gleichbehandlung verfolge: „Abgeordnete mit einem herkömmlichen Familienbild fragen sich fast verzweifelt, woher das alles kommt ...“
Zweitens nervt es mich, dass es Zastrow in seinem Unbehagen Gleichstellung und Gleichbehandlung gegenüber mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, wenn er zum Beispiel schreibt, dass man in zahlreichen Publikationen keinen Versuch einer Übersetzung des Begriffs „Gender Mainstreaming“ finde, auch nicht auf der Homepage des Bundesfamilienministeriums: „Die Unverständlichkeit ist also gewollt.“ Hier steht es – für wie blöd hält mich der Typ eigentlich?
Zumindest, weil es Zastrow vermutlich ärgert, ist es doch ganz schön, wenn man im Fernsehen Lesbierinnen bei ihren Serien-Auftritten begleiten kann, auch wenn ich bezweifle, dass die Abenteuer von Bette, Tina, Jenny, Marina, Alice, Shane, Dana und Kit den Begriff „Gender Mainstreaming“ mit Leben erfüllen. Aber es war ja erst die vierte Folge. |
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19. Juni |
Es war ja klar, dass der ungewohnte Anblick zahlreicher deutscher Flaggen früher oder später Politiker, Leitartikler und andere Ticker zu mehr oder weniger begeisterten Statements veranlassen würde. Dass es aber so grundsätzlich werden würde, hat mich dann doch überrascht. Die GEW und Walter Jens wollen anlässlich der FIFA-WM die Nationalhymne abschaffen, in der Frankfurter Allgemeinen schwärmt man heute von dieser „wunderbaren Weltmeisterschaft, die wie unter einem schwarzrotgoldenen Regenbogen“ abzulaufen scheine (das muss man sich mal vorstellen), der Bundespräsident freut sich und sieht kein problematisches Anzeichen für einen neuen Patriotismus, sondern „erst einmal nur Schönes“.
Geschmacksache. Bundespräsidenten haben schon von Berufs wegen eine positive Einstellung zum Patriotismus, überhaupt ist Patriotismus nicht erst seit Beginn des Fußballturniers eher schick. Dass Patrioten immer böse Menschen sind (wie Georg Kreisler in schön schlichter Klarheit singen lässt), will man nicht mehr wissen. Falls man es je wissen wollte. Und denen, die es wissen, wird regelmäßig der Patriotismus anderer Landsleute vorgehalten. Weil (zum Beispiel) die Franzosen eine blutrünstige Hymne haben, kann es ja wohl nicht schlimm sein, dass unsere teilweise unverständlich und insgesamt unsäglich ist, wie Walter Jens schreibt. Sein Vorschlag, statt des Hoffmannschen Textes Brechts Kinderhymne zu singen, ist in seiner Naivität schon rührend, hat aber auch praktische Vorteile, könnte sie doch genau wie die aktuelle „Einigkeit und Recht und Freiheit“ zur bewährten Haydn-Melodie von „Gott erhalte Franz den Kaiser“ gesungen werden, die wiederum von einer kroatischen Volksweise inspiriert gewesen sein soll (Wikipedia ist schon klasse!). Aber es ist schwer vorstellbar, dass Fußballer vor einem entscheidenden Match oder Hooligans vor einer entscheidenden Prügelei über ihr Land singen, dass es ihnen als das Liebste „scheinen“ möge, „so wie andern Völkern ihrs“. Vernünftig - aber insgesamt nicht besonders patriotisch.
Die Hymne wird also bleiben, auch wenn sie wie die anderer Länder (in Österreich soll es auch gerade eine Hymnendiskussion geben) stark verbesserungsfähig wäre. Bleibt also die Fahne. Schwarzrotgoldener Regenbogen? Rein visuell auch kein Knaller, genauswenig wie auffällig viele der Menschen, die sie an ihren Autos und Balkonen zeigen. Andererseits müssen auch Patriotismus-Muffel wie ich zugeben, dass die Fahnenzeigerei auch seine schönen Seiten hat, weil ja neben schwarzrotgelb auch noch viele andere Farben zu sehen sind, auch in durchaus dekorativen Kombinationen. Die Stadt wird bunter, und das ist, um dem Bundespräsidenten zuzustimmen, wirklich etwas sehr Schönes. |
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15. Juni |
Das ist doch eine Szenerie, wie man sie sich wünscht für unsere aufstrebende Metropole: Emsig Staub aufwirbelnde Baumaschinen, geschäftig hin- und herwuselnde Schutzhelmträger, wichtige Aktentaschenträger mit beinahe vom Winde verwehten quadratmetergroßen Bau-oder Erschließungsplänen. Wo eben (also von ein paar Wochen) noch eines der bizarrsten Parkhäuser der Stadt seinen morbiden Charme ausdünstete, erstreckt sich jetzt eine Baustelle in Block-Ausdehnung, dazu bestimmt, einer weiteren tristen Ecke des ohnehin schwierigen Wilmersdorfer-Straßen-Kietzes (doch, doch, so nennen sie das hier in Berlin) Glamour, Umsatz und „über 100 Mietern auf 25.000 qm Geschäftsfläche“ eine neue Wirkungsstätte zu schaffen. „Eröffnung September 2007“ steht auf dem Bauzaun, und vermutlich werden sie diesen Termin wirklich halten, handelt es sich doch um ein privates Bauprojekt. Jeder aufmerksame Zeitgenosse weiß, dass die 100 Mieter ganz sicher auf weitere 25.000 qm Geschäftsfläche gewartet haben bzw. frohgemut noch ein gutes Jahr warten werden, weil gerade in Berlin Geschäftsflächen so richtig selten sind, überhaupt in guten Lagen wie an der von Burgerbratereien und Drogeriediscountern dominierten Ecke Wilmersdorfer-/Schillerstraße.
„Wilmersdorfer Arcaden“ soll es heißen, das schmucke Bauwerk, und auf den Bauzaun-Illustrationen sind zwar keine Arkaden zu erkennen (stattdessen vielleicht „Arcaden“, was immer das sein mag), dafür orientiert sich das Gebäude architektonisch behutsam am Hugendubel-Haus, an Karstadt und dem KantCenter, alles repräsentative Beispiele benachbarter zeitgenössischer Geschäftsflächenarchitektur. Aber die Arcaden wollen noch mehr, sie (bzw. natürlich deren Bauherren und Betreiber) wollen Street-Credibility, Verwurzelung im Regionalen, nicht irgendeine Zielgruppe, sondern eine bestimmte: „Der neue Treffpunkt für alle Wilmersdorfer“, verkündet eine weitere Werbefläche auf dem Bauzaun. Klar, der Wilmersdorfer als solcher lässt das Weib daheim, verlässt sein Territorium, radelt den Kilometer nordwärts (oder nimmt die U-Bahn, aber wo aussteigen? Bismarck- oder Wilmersdorfer Straße?) um sich in den Arcaden mit gleichgesinnten Wilmersdorfern zu treffen, dieweil die ortsansässigen Charlottenburger draußen bleiben müssen. Ihnen bleibt wenigstens der Trost, dass zumindest vor dem Gesetz alle gleich sind, zumindest seit 2001, als Charlottenburg und Wilmersdorf zu Charlottenburg-Wilmersdorf wurden. Vielleicht war auf dem Bauzaun kein Platz mehr? Oder sollte es sich um einen besonders perfiden Racheakt Wilmersdorfer Seperatisten handeln, die die Schmach der Nennung auf dem zweiten Platz auch heute noch nicht verwunden haben? |
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Egal, bis September 2007 wird noch so manche Autoschlange die Kantstraße entlangkriechen, vielleicht können wir einen temporären Zweitwohnsitz bei Wilmerdsdorfer Bekannten nehmen (und hoffen, dass eine entsprechende Bescheinigung vom LEA bei den Einlasskontrollen berücksichtigt wird). Und es ist doch schön, in diesen Zeiten der umfassenden Ertrags- und Profitoptimierung Ausnahmen gemacht werden, von furchtlosen Investoren mit der Vision eines ganz speziellen Zielgruppenkonzepts. |
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