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Startseite Die Gegenwart Die Vergangenheit: 2006 Die Vergangenheit: 06/2006 (1)
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14. Juni |
Wir freuen uns mit den Schweizerinnen über ein Silbernes Jubiläum: Seit immerhin 25 Jahren steht in ihrer Bundesverfassung, dass sie die gleichen Rechte wie Männer haben (sollen). Und seit 1990 dürfen Sie auch in allen Kantonen wählen. Prima! |
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12. Juni |
An einem schönen Tag wie heute muss eigentlich alles gelingen. Die Luft morgens schon mit der Verheißung von Hitze, aber noch nicht heiß. Sommergeräusche, Sommerduft (selbst hier, nahe der Autobahn). Im Päckchen vom Technik-Dealer nicht nur das bestellte Spezialkabel, sondern (unerwartet) auch ein Netzteil für den noch fast neuen MP3-Abspieler. Die Ladezeit wird sich so auf drei Stunden verkürzen! Zurück von der Post, liegt auf dem Gehsteig vor der Haustür eine BZ („Berlins größte Zeitung“) von heute – noch ein Geschenk. Vielleicht vergiftet, Anthrax womöglich? Egal, bei der Erforschung dessen, was die Stadt bewegt, müssen Risken eingegangen werden. „Iris Berben Trennung nach 32 Jahren“. Um zu erfahren, ob das eine gute oder eine schlechte Nachricht ist, und für wen, müsste man den Artikel auf Seite 15 lesen. Aber so weit geht der Forscherdrang nun doch nicht, zumal vorher die Firma Lidl auf einer ganzen Seite erklärt, warum ab jetzt fair gehandelte Produkte das Sortiment bereichern werden (z. B. „Verbot von illegaler Kinderarbeit und Zwangsarbeit“, „Nachhaltige und umweltschonende Wirtschaftsweise“). Sehr nett, überhaupt an einem so schönen Tag wie heute, ungemütlich nur der Umkehrschluss. Aber auch wir werden uns demnächst „We Feed The World“ ansehen, bestimmt.
Davor der dicke Bauch von Sarah Connor („... wartet auf WM-Baby“) und eine Geschichte über das „Fahnen-Verbot für Berliner Polizisten“, mit dem Polizeipräsident Glietsch seinen Leuten im Dienst das „Mitführen von Fan-Artikeln“ untersagt, wozu interessanterweise auch Deutschland-Fahnen gehören. Guter Mann, der Glietsch, der sich damit allerdings den „gerechten Zorn“ von BZ-Chefeporter Schupelius zuzieht. Ob Glietsch den „Kollegen“ die Freude über die WM nicht gönne, fragt Schupelius, wo sie doch alles im Griff hätten und dabei stets freundlich blieben. „Noch nie habe ich mich mit meiner Familie in Berlin so sicher gefühlt, wie in diesen Tagen.“ Das ist allerdings wahr. Bestimmte Teile des Tiergartens darf man nicht mit Glasflaschen oder Taschenmessern im Gepäck betreten, Sicherheitsleute mit zweifelhafter Ausstrahlung kontrollieren Taschen und Rucksäcke, und wenn man durch bzw. drin ist, fragt man sich, ob man noch Glück hatte, weil einem die Leibesvisitation erspart geblieben ist.
Wir freuen uns, dass diese Maßnahmen wenigstens das Sicherheitsbedürfnis von Gunnar Schupelius befriedigen, und nehmen seine weiter reichenden Beflaggungsfragen interessiert zur Kenntnis: „Wo sind die Deutschlandfahnen und die Berlin-Flaggen auf Flughäfen, an Rathäusern, an Laternenmasten und Straßenbäumen?“ Noch schlimmer: „Nicht einmal auf der Fan-Meile gibt es Schwarz-Rot-Gold!“
Andere sehen mehr: „Deutschland zeigt Flagge: verspielt, luftig, leicht bekömmlich. Ein Sommertraum in Schwarz, Rot und Gold“, schreibt Roland Zorn in der FAZ. An schönen Tagen wie heute muss eigentlich alles gelingen. Nur eine Frage bleibt noch: Wer ist eigentlich die Dame auf der BZ-Titelseite? |
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10. Juni |
Da, wo wir sozialisiert wurden, herrschen neben archaischen Sitten und Gebräuchen strenge Regeln für das Zusammenleben. Zum Beispiel Nachbarschaft. Wer neben einem wohnt, ist erstmal Nachbar, es sei denn, er hat sich entschieden, seiner alten Nachbarschaft treu zu bleiben, also den Nachbarn dort, woher er kommt. Und wenn er sich traut, neue nachbarschaftliche Bande zu knüpfen, steht es ihm frei, diese bestehen zu lassen, sollte er die Nachbarschaft wieder verlassen. Deshalb wohnt unsere Lieblingsnachbarin nicht mehr in Charlottenburg, sondern derzeit im Rheinland. Nachbarschaftshilfe wie Blumengießen oder Katzenfüttern erfordern so einen gewissen Organisationsaufwand, andererseits werden Besuche zu Ereignissen (im Gegensatz zu denen benachbarter Nachbarn), die auch gerne mit besonderen Aktionen begangen werden, wie diesmal, als wir uns zur Feier des Tages im schönen Garten vom „Le Piaf“ niederließen, verschiedene provençalische Speisen und Getränke (vor allem Getränke, das Beste am Essen ist schließlich das Trinken) einnahmen, mit amtierenden und ehemaligen Kellnern scherzten und wieder einmal über deren phänomenales Namens- und Gesichtergedächtnis staunten.
Hauptattraktion des Abends war (neben der Lieblingsnachbarin) die Abwesenheit jeglicher FIFA-WM-Emissionen: keine Großbildleinwand, nichtmal ein klitzekleiner Fernseher mit Live-Übertragungskrawall. Die Überraschung kam beim, dem gesteigerten Flüssigkeitsstoffwechsel geschuldet, Besuch der Sanitärräume im Untergeschoss: zierliche Fußballtore auf grasgrünen Matten in allen Urinalen! Das war dann doch ganz schön, lud zum Mitmachen ein, und natürlich gab es mehr als einen Treffer.
Das mit der WM-Abwesenheit ist übrigens nicht ganz sicher. Vielleicht hat der Chef Claude Trendel ein Kofferradio in seiner Küche, aber als Elsässer ist er auch irgendwie Nachbar, und denen gegenüber hat man auch eine gewisse Toleranzverpflichtung, da, wo wir sozialisiert wurden. |
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7. Juni |
Meine erste richtige Freundin sah aus wie Angela Merkel in jung und gut (und wahrscheinlich kleiner). Irritierende Erkenntnis, aber subjektiv wahr. Zumindest, wenn man dem ddp-Bild aus der Süddeutschen (vom 26. Mai 2006; S. 15) so um die 30 Jahre abzieht und die damit einhergehende Verkleinerung der Ohren (warum wachsen Ohren mit dem Alter?) und Verringerung der Falten (pardon: Fältchen) in seine Betrachtung einbezieht. Nur ihre Augen waren viel größer. Sind es vermutlich auch heute noch. Wie meine erste Freundin aber jetzt aussieht, weiß ich nicht. Bestimmt immer noch adrett, bestimmt haben die Jahre und die Sorgen ihre Spuren hinterlassen. Wie bei uns allen, auch bei Angela Merkel. Aber wenn meine erste Freundin mit 56 noch so aussehen sollte wie Angela Merkel jetzt (wenigstens auf manchen Schnappschüssen), könnte sie zumindest mit ihrem Aussehen zufrieden sein (wer ist schon Diana Ross?). Was erstaunlich ist, haben wir doch bei ihrer Kandidatur gerne gescherzt, sie könne schon aus ästhetischen Gründen nie Kanzlerin werden. Das haben wir bald gelassen, weil es erstens (wirklich) frauenfeindlich ist, und wir wollten uns nicht sagen lassen, auf dieses Niveau runtergekommen zu sein, außerdem waren unter ihren sieben Vorgängern auch einige ausgesucht abstoßende Exemplare (zum Beispiel mal hier gucken). Und dass Schröder auf Haare und Garderobe acht gab, macht ihn nicht wirklich zum ästhetischen Vorbild.
Z. (damals 7 Jahre alt) pflegte im Wahlkampf gerne zu sagen, dass „Merkel“ wohl zu wenig Schokolade äße, ihre nach unten weisenden Mundwinkel ließen auf Dauerschlechtelaune schließen, und Schokolade helfe doch beim Glücklichsein. Wahrscheinlich hatte sie recht, unwahrscheinlich allerdings, dass Frau Merkel seitdem ihren Schokoladekonsum forciert hat. Wahrscheinlich liegt ihre (jetzt hier mal ganz unbewiesen angenomme) aktuelle Fotogenität in einer (trotz des fatalen Hangs zu großen kontrastfarbigen Kleidungsknöpfen) effektiven Typberatung und der Genugtuung, es (wenigsten bis jetzt) den ästhetisch argumentierenden Arschlöchern gezeigt zu haben. |
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3. Juni |
Habe jetzt doch noch „Fleisch ist mein Gemüse“ besorgt. Interessant, es lässt sich auch volltrunken ganz gut lesen. Vielleicht, weil es auch volltrunken geschrieben wurde? |
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