Halbjährlich – um einen Tag aufgeschoben: Mal wieder ein Film, den zu finden eine kleine Weile gebraucht hat, vielleicht, weil der Suchbegriff nicht korrekt war. „Flame“ heißt das Werk, in dem die authentische britische Band Slade die fiktive britische Band Flame gespielt hat. Weil Slade seinerzeit (und vielleicht auch immer noch) nach den Beatles und den Rolling Stones die meisten Platten im UK verkauft haben, schien es sinnvoll zu sein, den Bandnamen auf den Plakaten zu zeigen (und auch auf der Soundtrack-LP), so dass aus „Flame“ ein „Slade in Flame“ geworden ist, was, nachdem die Titelentstehungsgeschichte klar ist, nicht mehr ganz so idiotisch klingt. Allerdings: Der Film heißt „Flame“, nicht „Slade in Flame“. „Bogart in Casablanca“ oder „Schamoni in Eins“ sucht man nicht, „Slade in Flame“ schon, und wird auch fündig. Wenn auch mit Verspätung.
Eine öffentliche Aufführung dieser langgesuchten Kulturkonserve in Andreas' Smoking Cinema im WTFF steht kurz bevor, nämlich am kommenden Sonntag. Und dem, was der Kollege Martin S. in seinem Zitty-Kinotipp für den 18. April geschrieben hat, ist kaum etwas hinzuzufügen: Regie führte Richard Loncraine, dessen „Richard III.“ eines meiner Highlights irgendeiner 90er Jahre-Berlinale war, und geschrieben hat das post-neorealistische 70er-Jahre Prä-Britpop-Stück Andrew Birkin, den ich sogar zwei Mal getroffen habe: einmal zu einem Interview anlässlich des Kinostarts von „Salz auf unserer Haut“ und das zweite Mal zum „Zementgarten“, einem der wenigen Lieblingsfilme, die man notfalls auch nur einmal sehen muss (Sendemanuskript hier).
Die Namen der Leute, die am 13. Februar 1975 „Flame“ in einem Premieren-Mitternachtsempfang im Londoner Metropole Theatre gefeiert haben, sind vielleicht sprechender als jede Milieu- oder Zeitgeistbeschreibung: Elton John, Mott The Hoople, Suzi Quatro, Gary Glitter, Queen und Jane Birkin, letztere Schwester des Autors und Mutter der Zementgarten-Hauptdarstellerin Charlotte, die an diesem Abend aber noch nichtmal vier Jahre alt war und womöglich von Papa Serge Gainsbourg eine Gutenachtgeschicht erzählt bekommen hat.
Und bei diesem Film hat alles angefangen ... Natürlich nicht. Aber ein schönes Stück europäischer Kulturgeschichte ist er schon, besonders für Leute, die robuste Musik und robuste Scherze schätzen und nicht die Augen verdrehen, wenn man Noddy Holders Stimme mit einem dreckig gespielten Alt-Saxophon vergleicht. |
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An langen Herbstabenden weder Inspiration noch Muße für die Erzeugung von Gegenwart gefunden, ok, aber jetzt ist Frühling. Es wird wieder nicht mehr sehr lange dauern, bis der Wasauchimmerbaum im Hof seine Blüten abwirft, die ersten heißen Tage euphorisieren, alle weiteren verschwitzen und ermüden, bis Herbst und Winter mit ihren lebensfeindlichen Temperaturen und Lichtverhältnissen zeigen, wo der Hammer wirklich hängt (nämlich oben). Zwischendurch einen schönen Klassiker-Gemeinplatz entdeckt: „Viele Pläne und wenig That wie immer“ (25,88). Und den Rhythmus für zukünftige Gegenwarts-Einträge: halbjährlich. |
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